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Deutscher Volkshochschul-Verband

Blended-Learning für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit

vhs-Ehrenamtsportal stärkt ziviles Engagement durch Online-Qualifizierung

Von Aurora Distefano und David Stein

Das Ehrenamtsportal des Deutschen Volkshochschul-Verbands nimmt neue Zielgruppen ins Visier und denkt weiter! Als Anlaufstelle für Engagierte stellt es Grundlegendes, Neues und Hilfreiches für die Arbeit mit Geflüchteten digital auf einer zentralen Homepage sowie auf den Social-Media-Kanälen bereit. Im nächsten Schritt wurde eine Schulung für Ehrenamtliche konzipiert, die das Beste aus analogen und digitalen Lehr- und Lernangeboten kombiniert. Diese Blended-Learning-Schulung leitet sich aus den Inhalten des Ehrenamtsportals ab.

Analog und digital: Das Konzept der Schulung als Blended-Learning-Angebot

Ziel war es dabei, das Ehrenamtsportal so mit der vhs.cloud zu vereinen, dass ein dynamisches, auf Austausch basierendes Lernerlebnis erreicht wird. Für die Mitwirkung bei der Pilotierung der Schulung interessierten sich 25 Volkshochschulen, sechs unterschrieben dann einen Kooperationsvertrag. Die Interessenslage war hierbei mehrschichtig: Neben dem lokalen Bedarf nach Schulungen für Ehrenamtliche ist hierbei auch das Selbstverständnis ausgewählter Volkshochschulen als aktive Teilnehmende am Digitalisierungsprozess von Belang.

Dabei kann keine Unterscheidung zwischen urbanem und ländlichem Raum gemacht werden: Der Bedarf nach neuen, digitalen Konzepten scheint sowohl in städtischen als auch strukturschwächeren Räumen angekommen zu sein. Ehrenamtliche sind dabei eine besondere Zielgruppe, da sich die Personen oftmals zeitlich ungebunden für andere Menschen einsetzen wollen. Die Bedarfsanalyse hatte gezeigt, dass dabei mit einem höheren Durchschnittsalter der Zielgruppe zu rechnen ist.

Um mögliche Hemmschwellen zu nivellieren, wurden zwei umrahmende Präsenztermine eingeplant. Einer leitete vor der zweiwöchigen Onlinephase in die Funktionalitäten der vhs.cloud ein. Dafür benannten die kooperierenden Volkshochschulen eine sogenannte lokale Lernbegleitung. Auch diese wurde mit einem adressatengerechten Webinar auf ihre Aufgaben vorbereitet. Die an den ersten Präsenztermin anschließende Onlinephase führte die Teilnehmenden der lokalen Volkshochschulen bundesweit zusammen. Es entstand nun die Möglichkeit, sich in einem gesicherten Rahmen gleichzeitig lokal als auch bundesweit auszutauschen, Erfahrungen zu vergleichen und neue Sichtweisen kennenzulernen.

Die Onlinephase fand ihren Abschluss im zweiten Präsenztermin, der erneut in der lokalen Volkshochschule stattfand und den Teilnehmenden die Möglichkeit bot, das Gelernte gemeinsam zu reflektieren und in lokale Vernetzungen zu übertragen.

Die Pilotierung: Erfolgsfaktoren und Stolpersteine

Und, wie war es? Gut war es! In Erinnerung dessen, dass es sich um einen ersten Einstieg handelte, kann festgehalten werden: Der Testballon ist nicht geplatzt. Was war schwierig?

Zum einen vereint die Zielgruppe zwei fluide Elemente: das Ehrenamt und die Arbeit mit Geflüchteten. Das Ehrenamt zeichnet sich gerade durch seine relative Unverbindlichkeit aus – es werden keine Verträge abgeschlossen, nichts muss, vieles kann. Auch Zertifikate werden nicht benötigt, denn schließlich engagieren sich alle entlang eigener Fähigkeiten und Interessen. Warum also beschulen lassen?

Zudem operiert das Ehrenamt teilweise ohne Anbindung an Regelstrukturen wie Schulen, Begegnungsstätten oder Volkshochschulen. Das Zusammenbringen von Nachfrage und Angebot benötigt daher lokale Kenntnis und Vernetzung. Und nicht zuletzt: 2015 begründete das Engagement für Geflüchtete die Willkommenskultur. Doch was ist davon heute noch übrig? Im Vergleich zu 2015, als fast die Hälfte der Deutschen sich zumindest zeitweise engagierte, sank das Engagement spürbar. Gleichzeitig werden rechte Stimmen lauter. Und dennoch: Gemäß der Allensbach-Studie zum ehrenamtlichen Engagement in der Arbeit mit Geflüchteten sind noch immer neun
Millionen Menschen in der Flüchtlingshilfe aktiv. Viele davon möchten sich auch langfristig engagieren.

Die Akquise der Teilnehmenden in der Testphase war Aufgabe der lokalen vhs. Beim Übergang von der ersten Präsenzveranstaltung in die bundesweite Onlinephase gab es teilweise technische Schwierigkeiten. Diese können aber durch genaue, persönliche Anleitungen in den Präsenzveranstaltungen durch die lokale Moderation abgefedert werden.

In der Onlinephase wurden sukzessive neun Aufgaben eingestellt, die sich auf zehn Werktage verteilten. Die Beteiligung war dabei unterschiedlich groß: So führten manche Aufgaben zu einem regen, andere hingegen zu einem schleppenden Austausch. Je praktischer und meinungsorientierter die Aufgabe dabei war, desto angeregter auch die Diskussion. Andersherum galt: Je abstrakter und grundsätzlicher die Fragestellung, desto zurückhaltender die Teilnahme. Die Aufgaben umfassten unter anderem interaktive Umfragen, Einschätzungen von Fallbeispielen sowie Stellungnahmen zu verschiedenen Meinungsäußerungen. Die Onlinephase wurde dabei von der Redaktion des Ehrenamtsportals durchgehend betreut und Diskussionen mit gezielten Nachfragen initiiert und vorangetrieben.

Wie geht es weiter? Was bleibt?

Eine zweiwöchige Online-Phase ist kurz. In einer längeren Laufzeit, die regelmäßige Präsenztermine anbietet, kann noch besser auf das individuelle Teilnahmeverhalten eingewirkt werden. Zudem bietet eine Verlängerung des Blended-Learning-Angebots gleichzeitig eine bessere Anpassung an die Lebenswirklichkeit der Ehrenamtlichen, die die jeweiligen Aufgaben je nach persönlichen Zeitressourcen tageweise oder auf einmal am Wochenende bearbeiten können. Hierfür braucht es zudem eine weitere zeitliche Flexibilisierung des Curriculums. Ob dann tatsächlich eine Aufgabe pro Woche sowohl Raum für persönliches Zeitmanagement gibt, als auch für die nötige Verbindlichkeit sorgt, gilt es auszutesten.

Ein weiterer wichtiger Gelingensfaktor für Schulungen jeglichen Formats ist die Bindungskraft, also die Verbindlichkeit eines Angebotes. Die Pilotphase war für die Teilnehmenden kostenfrei – das schafft Raum für Unverbindlichkeit. Genauso, wie die Redaktion des Ehrenamtsportals dieses Format ausprobierte, so versuchten auch Volkshochschulen und Teilnehmende sich an dieser Schulung. Da, wo es keine hard facts in Form von Credits für die Universität oder benötigte Zertifikate für den Arbeitsmarkt gibt, kommt es auf andere Verbindlichkeiten an: Hierbei kann perspektivisch die gezielte Ansprache von örtlichen Initiativen und Vereinen wichtig sein. Denn: Die Teilnahme ganzer Gruppen bindet diese dabei als schon
bestehende Gemeinschaft ein. Hierbei werden zum einen schon bestehende Gruppendynamiken, aber auch weitere Informationskanäle nutzbar. Dies kann
ein zusätzliches Gruppenerlebnis bedeuten, das den einzelnen Personen ein mehrschichtiges Gefühl des Gebrauchtwerdens vermittelt. Die lokalen Volkshochschulen können und sollten also ihre Netzwerke vor Ort nutzen, um Initiativen und Vereine zu Partnerschaften und thematischen Allianzen einzuladen.

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