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100 Jahre vhs

100 Jahre Volkshochschule Spandau – ein Forschungsprojekt mit der Humboldt-Universität zu Berlin

Von Marion Altendorf, Dr. Matthias Alke und Dr. Maria Stimm

„Verstaubt war gestern!“ – dies ist einer der humorigen Leitsprüche, mit denen die Volkshochschule Spandau ihren 100. Geburtstag begeht. Dabei war das Angebot, genau genommen, nie „verstaubt“ – zeitlos aktuelle Themen wie Demokratiebildung, Grundbildung und auch die Bildung und Integration von Geflüchteten haben die Volkshochschule in ihrer gesamten Geschichte begleitet, abgesehen von der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur.

Die ersten Lehrveranstaltungen der Volkshochschule Spandau wurden im Herbst 1919 angeboten – damals noch überschaubare vier Vortragsreihen, aber von hochrangigen Dozenten wie Johannes Tews oder Prof. Dr. Otto Gramzow, die später die Theoriebildung zur Erwachsenenbildung mit beeinflussten.

100 Jahre später ist das Angebot stark angewachsen: ca. 1.100 Kurse und Veranstaltungen mit insgesamt fast 50.000 Unterrichtsstunden werden in der Volkshochschule im Berliner Bezirk Spandau angeboten; der mit fast 240.000 Einwohner*innen so groß ist wie eine eigene Großstadt. Im sanierten und modernisierten, historischen vhs-Hauptgebäude, dem ehemaligen Kaiserlichen Hauptpostamt in Spandau, symbolisiert die Volkshochschule Spandau die Verbindung von Historie und Moderne, Lokalkolorit und Weltmetropole.

Einblicke in das Kooperationsprojekt

Ihren runden Geburtstag nimmt die Volkshochschule Spandau nun zum Anlass, ihre bewegte Geschichte als auch aktuelle Entwicklungen auf vielerlei Weise zu erforschen und zu präsentieren. Seit dem Wintersemester 2018/2019 gibt es eine intensive Zusammenarbeit mit der Abteilung Erwachsenenbildung/Weiterbildung der Humboldt-Universität zu Berlin. Hier wurden im Rahmen eines zweiteiligen Seminarmoduls kleinere studentische Forschungsprojekte im Sinne „forschenden Lernens“ initiiert. Konkret wurden von den Studierenden Programmanalysen auf der Basis der historischen Bildungsprogramme der Volkshochschule Spandau umgesetzt sowie Experten*inneninterviews mit derzeitigen und ehemaligen Programmplanenden der Einrichtung geführt. Beide Zugänge geben vertiefende Einblicke in die historisch-institutionelle Entwicklung von Volkshochschulen sowie in die gegenwärtigen Bedingungen und Anforderungen an das professionelle Planungshandeln.

Für die historischen Programmanalysen wurden die Archivbestände der Volkshochschule Spandau sowie die Bestände des Weiterbildungsprogramm-Archivs Berlin/Brandenburg genutzt, das an der Humboldt-Universität zu Berlin angesiedelt ist. Daneben wurden weitere Materialien im Zeitschriftenarchiv Spandau, dem Zeitschriftenarchiv der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz sowie der Bibliothek des Stadtmuseums Berlin recherchiert.

In den historischen Programmanalysen beschäftigen sich die Studierenden zum Beispiel mit den Einflüssen der Weimarer Volkbildungsbewegungen auf die Gründung der Volkshochschule Spandau oder mit der Bedeutung der Bildungsprogramme der Volkhochschule mit Blick auf die Vermittlung und Verbreitung von rassenpolitischen Vorstellungen in den 1930er Jahren. In den Interview-Analysen werden vor dem Hintergrund des professionellen Handelns u.a. Herausforderungen des digitalen Wandels für die Ausgestaltung von Bildungsangeboten oder Fragen der aktuell boomenden Gesundheitsbildung genauer unter die Lupe genommen. Viele dieser Themen knüpfen an aktuelle Forschungsbedarfe an. Einige der historischen Analysen betreten indes „Neuland“, da zur Geschichte der Berliner Institutionen der Erwachsenbildung vergleichsweise wenig Forschung vorliegt. Die Forschungsprojekte der Studierenden und erste Ergebnisse wurden im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung im Februar 2019 diskutiert.

Ausblick auf das Jubiläumsjahr

Neben den Befunden aus den studentischen Forschungsprojekten sollen persönliche Erlebnisse sowie „Fundstücke“ langjähriger Teilnehmer*innen und Kursleitenden die Spurensuche komplettieren. Per Presseaufruf wurden Zeitzeug*innen gesucht, die Interessantes an oder mit der Volkshochschule Spandau erlebt haben.

Historische und wissenschaftliche, aber auch persönliche Beiträge werden sich sowohl in einer Ausstellung als auch in einer Festschrift wiederfinden. Die vom 16. bis 20. September 2019 geplante Jubiläumswoche wird zahlreiche Veranstaltungen rund um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Spandauer Volkshochschule bieten. Höhepunkt und Abschluss wird die Lange Nacht der Volkshochschulen am 20. September 2019 sein. Auf drei Etagen lautet dann das Motto zusammen lernen und zusammen feiern!

Seitens der Humboldt-Universität ist zudem geplant, die Ergebnisse aus den studentischen Forschungsprojekten im Erwachsenenpädagogischen Report zu veröffentlichen, der von der Abteilung Erwachsenenbildung/Weiterbildung herausgegeben wird.

Marion Altendorf, Direktorin der vhs Spandau
Jun.-Prof. Dr. Matthias Alke, HU Berlin
Dr. Maria Stimm, HU Berlin

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • vhs Spandau
  • FOTOSTUDIOSUEDSTADT-Bonn,0228/229798
  • Ines Schiller

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