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Grundbildung.de

Hand in Hand arbeiten

In Neuwied arbeiten die lokalen Akteure eng zusammen. Die vhs steht in direktem Kontakt mit dem Bildungsmanagement der Stadt und anderen Bildungsträgern der Region.

Katharina Reinhold, veröffentlicht am 31.07.2017

Ein sonniger Junitag in der lebendigen Mittelstadt Neuwied am Rhein in der Nähe von Koblenz: Schlangen an den Eisdielen, Fahrradausflügler am Rheinufer, Wanderinnen und Wanderer, die Rast machen, Jugendliche, die sich im Stadtzentrum die Zeit vertreiben. Unweit der Fußgängerzone liegt die Volkshochschule Neuwied "Die Brücke", untergebracht in einem freundlich aussehenden Gebäudekomplex zusammen mit dem Haus für Jugend und Soziales der Stadt. Dort kommen an diesem Nachmittag die pädagogische Leiterin der vhs Neuwied Caroline Albert-Woll, der Beigeordnete (Dezernent) der Stadt für Jugend und Soziales Michael Mang  und der Bildungskoordinator für Neuzugewanderte des Landkreises Martin Correll zusammen, um mit der Verfasserin (Katharina Reinhold) über den Stand der Dinge, Fragen und Perspektiven in Sachen Grundbildungsplanung in Neuwied zu sprechen.

Welche Angebote im Bereich Grundbildung gibt es aktuell an der Volkshochschule in Neuwied?

Albert-Woll: Es laufen zwei „klassische“ Alpha-Abendkurse, zudem einige Integrationskurse mit Alphabetisierung für Neuzugewanderte, EDV-Grundkurse und Kurse zum Erwerb der Berufsreife und des Hauptschulabschlusses. Im Programm haben wir außerdem Angebote wie „Rechnen und Grundlagen der Mathematik“ oder „Wie funktioniert eigentlich Politik?“. Ganz neu ist das Lerncafé, das offen für alle, anonym und kostenlos angeboten wird und von einem erfahrenen Kursleiter begleitet wird.

Mit welchen weiteren Akteuren arbeiten Sie zusammen?

Albert-Woll: Wir sind in ständigem Austausch mit den anderen Volkshochschulen und dem Landesverband der Volkshochschulen von Rheinland-Pfalz. Wir arbeiten zum Beispiel im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit häufig mit dem GrubiNetz Rheinland-Pfalz zusammen und kooperieren bei Veranstaltungen und Weiterbildungen. Mit der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz arbeiten wir in der Qualifizierung der Lehrkräfte (BBQ Basisbildungsqualifizierung) eng zusammen.

Bildungskoordinator Martin Correll, Grundbildungsbeauftragte Caroline Albert-Woll und Beigeordneter Michael Mang

Wie steht es um die Zusammenarbeit von Politik und vhs im Bereich Grundbildung?

Mang: Dadurch, dass ich zugleich Beigeordneter und Werksleiter des kommunalen Eigenbetriebs Volkshochschule bin, ist die Verzahnung sehr eng – das ist natürlich ideal. Die Grundbildung für alle ist mir ein wichtiges Anliegen, das ich auch in meine Arbeit in der Verwaltung hineintrage. Kommunen sollten als aktive Player in der Bildungslandschaft auftreten.
Für mich als Verantwortlicher in der Stadtverwaltung stellt sich die Frage, wie wir es schaffen, dass niemand verloren geht,  und wie wir die Leute auf Unterstützungsmaßnahmen aufmerksam machen können. Viele kommunale Angestellte sind in ständigem Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern, etwa beim Standesamt oder der Zulassungsstelle. Sie könnten dabei eine Rolle spielen.

Correll: Es gibt in Neuwied einen Arbeitskreis Bildungskoordination für Neuzugewanderte, in dem  Verantwortliche aus vielen Institutionen vertreten sind, etwa der Stadt und des Landkreises, der Kammern und Wohlfahrtsverbände. Perspektivisch wäre es aus meiner Sicht wünschenswert, dass es hier grundsätzlich um (Grund-)Bildungsangebote geht, die für alle Menschen offen sind, die Bedarf haben. Dass wir also wegkommen von der Ausrichtung der Angebote nach Migrationshintergrund hin zur Orientierung am Bildungshintergrund.

Mang: Durch den verstärkten Zuzug von Geflüchteten 2014-2016 hat sich die Bildungslandschaft in Deutschland  - und auch in Neuwied - stark verändert. Es mussten zum Beispiel schnell Deutsch- und Integrationskurse angeboten werden. Die Themen Grundbildung und Alphabetisierung gerieten stark in den Fokus. Die Kommunen und Träger waren und sind gezwungen, ihre Bildungsangebote und die Struktur des gesamten sozialen Bereichs zu überdenken. Dies ist auch eine Chance für die gesamte Bevölkerung.

Welchen Handlungsbedarf sehen Sie aktuell in Neuwied?

Correll: Ich sehe einige Lücken, die es zu schließen gilt und gesetzliche Bestimmungen, die die Arbeit erschweren. 16-25-jährige ohne Schulabschluss, die nicht mehr unter die Schulpflicht fallen, haben es oft schwer - dies gilt insbesondere für Neuzugewanderte mit geringen Sprachkenntnissen. Es ist wichtig, dass alle Bildungsträger - also Schulen, vhs, andere Weiterbildungseinrichtungen und Unternehmen - Hand in Hand arbeiten und dass die Gesetzgebung angepasst wird. Die oberste Priorität, Menschen möglichst schnell in Arbeit zu bringen, ist zum Beispiel meines Erachtens nicht unbedingt immer zielführend.

Herr Mang, wie wollen Sie die kommunalen Mitarbeiter*innen motivieren, an Weiterbildungen im Rahmen von AlphaKommunal teilzunehmen?

Mang: Ich wünsche mir, dass wir zielgerichtet vorgehen und dass auch die Beschäftigten in der Verwaltung sensibilisiert sind dafür, dass viele Menschen nicht gut lesen und schreiben können und Schwierigkeiten mit dem Ausfüllen von Anträgen oder komplizierten Formulierungen in Briefen haben. Zielgerichtet bedeutet für mich: Es liegt ja auch im Interesse der Mitarbeiter, wenn die Anträge richtig ausgefüllt sind oder sie nicht hundert Nachfragen am Telefon beantworten müssen. Den Kollegen muss der Mehrwert für ihre eigene Arbeit klar werden.

Wenn wir 5 Jahre in die Zukunft schauen, was hätte sich dann idealerweise in Sachen Grundbildung in Neuwied verändert?

Mang: Die breite Öffentlichkeit ist über das Thema Funktionaler Analphabetismus und Grundbildung gut informiert und die Betroffenen wissen über Unterstützungsangebote Bescheid. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Angestellte in der kommunalen Verwaltung für das Thema sensibilisiert sind.

Albert-Woll: Ich wünsche mir in Zukunft  viele Teilnehmende in den Grundbildungskursen. Dafür müssen wir auch Menschen aus bildungsfernen Schichten erreichen und mehr aufsuchende Bildungsarbeit leisten. Außerdem wünsche ich mir viele sehr gut ausgebildete Kursleiter*innen und eine allgemeinen bekannte Grundbildungsbeauftragte als erste Ansprechpartnerin zum Thema.

Correll: Ich wünsche mir für die Zukunft, dass es gelingt, die Bildungskoordination zu erweitern. Es sollten allen Menschen mit Bedarf lückenlose Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote offen stehen.

Einwohnerzahl

Demografische Entwicklung

Bedeutung des Ortes in der Region

Strukturen, Akteuere und Projekte im Bereich Grundbildung

Kurse und Kursteilnehmer*innen im Bereich Grundbildung

Stand des kommunalen Bildungsmanagements

Ansprechpartner*innen

Alle statistischen Daten des Kurzsteckbriefs entstammen der Webseite der Stadt sowie der der Volkshochschule Neuwied.

Autorin

Katharina Reinhold ist freiberufliche Redakteurin und Lektorin für Publikationen im Print- und Online-Bereich. Seit 2000 ist sie als Trainerin und Vermittlerin tätig.

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