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Deutscher Volkshochschul-Verband

Online Lesen und Schreiben lernen

Wegen der Corona-Pandemie wurde vielerorts auf E-Learning umgestellt, auch in Deutschkursen für Zugewanderte. Den Teilnehmenden ihrer Alpha-Kurse trauten einige Einrichtungen reines Online-Lernen allerdings nicht zu. Anders die vhs Delmenhorst. Sie hat erfolgreich sechs Kurse in den digitalen Raum verlegt.

Das Smartphone als Lernwerkzeug

Skeptisch war vhs-Leiter Jürgen Beckstette eigentlich nur aufgrund der technischen Ausstattung der Teilnehmenden. Denn die meisten besitzen weder Laptop noch Tablet. „Aber es war sehr erfreulich zu sehen, wie gut das Lernen mit dem Smartphone geklappt hat“. Zum Einsatz kam in allen Kursen das vhs-Lernportal, die Online-Lernplattform des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, die unter anderem ein digitales Lehrwerk für die Alphabetisierung von Migrantinnen und Migranten enthält. Der ABC-Deutschkurs ist - wie die gesamte Plattform - optimiert für das Lernen mit Smartphones. „Wenn man das passende Lernmedium für die Zielgruppe wählt, dann werden bildungsferne Menschen entgegen weit verbreiteter Annahmen nicht zwangsläufig beim digitalen Lernen abgehängt“, ist daher Beckstettes Fazit.

Vom BAMF geforderte Zahl an bearbeiteten Übungen im Vergleich zum tatsächlich absolvierten Pensum

Hohes Engagement bei Lernenden

Insgesamt haben 73 Menschen regelmäßig an den digitalen Alphabetisierungskursen der vhs Delmenhorst teilgenommen und bei allen konnten große Lernfortschritte erzielt werden. Mit einem derartigen Erfolg hatte selbst Dr. Radosveta Hofmann, Leiterin des Programmbereichs Deutsch/Integration nicht gerechnet. „Sechs Teilnehmende haben sogar so engagiert gelernt, dass sie den Alphabetisierungskurs abschließen und auf der Stufe A1 weiterlernen konnten“, so Hofmann. Insgesamt haben die Lernenden zudem ein Vielfaches der Übungen absolviert, die als Mindestleistung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erwartet wurden: Rund 12.000 Aufgaben wurden von den 73 Lernenden über einen Zeitraum von vier Wochen bearbeitet. Viele lernten zudem spät abends oder nachts, berichtet Hofmann. Fasziniert war sie auch von der Selbständigkeit der Teilnehmenden: „Rund ein Drittel hat ganz proaktiv im Lernportal weiter gearbeitet und nicht gewartet, dass die Lehrkraft sie mit neuen Übungen versorgt“.

Das Lernportal hatte fast das gleiche Suchtpotential wie ein Videospiel, mit einem derartigen Rausch und einer solchen Begeisterung haben die Lernenden eine Übung nach der anderen gemacht.

Jürgen Beckstette, Leiter der vhs Delmenhorst

Spielerisches Lernen

Den großen Lerneifer führt Jürgen Beckstette unter anderem auf den multimedialen und spielerischen Charakter des Lernprogramms zurück. „Das Lernportal hatte fast das gleiche Suchtpotential wie ein Videospiel, mit einem derartigen Rausch und einer solchen Begeisterung haben die Lernenden eine Übung nach der anderen gemacht“. Motivierend sei für viele Lernende auch gewesen, dass sie nach jeder Übung unmittelbar sehen konnten, ob alles richtig war. „Wenn man direkt positives Feedback bekommt, spornt das an, mit der nächsten Übung weiter zu machen“, vermutet Hofmann. Motivierend sei für viele Lernende auch gewesen, dass sie nach jeder Übung unmittelbar sehen konnten, ob alles richtig war. „Wenn man direkt positives Feedback bekommt, spornt das an, mit der nächsten Übung weiter zu machen“, vermutet Hofmann.

Man kann Menschen mit Alphabetisierungsbedarf sehr viel zutrauen und auf ihre natürliche Intelligenz bauen.

Dr. Radosveta Hofmann, Leiterin des Programmbereichs Deutsch/Integration an der vhs Delmenhorst

Enge Begleitung beim Start ins Online-Lernen

Das alles wäre jedoch nicht möglich gewesen ohne das Engagement der Lehrkräfte, die, obwohl sie selbst vorher wenig Erfahrung mit digitalen Lernmedien hatten, sich von Hofmann schnell für das Experiment begeistern ließen. In Kleingruppen – selbstverständlich mit den gebotenen Abstands- und Hygieneregeln –  gaben die Kursleitenden ihren Teilnehmenden eine Einführung ins Lernportal. Am Beamer zeigten sie Schritt für Schritt den Weg zur Registrierung und demonstrierten erste Übungen, so dass alle das Vorgehen parallel auf dem eigenen Smartphone nachvollziehen konnten. Täglich boten sie zudem eine Hotline an, für alle die Hilfe brauchten. Sie verfolgten die Lernaktivitäten der Teilnehmenden im Online-Kurs, suchten passende Übungen heraus, hielten den Kontakt zu jedem Lernenden und motivierten mit Lob zum Weiterlernen.

vhs-Lernportal als fester Kursbegleiter

Als Anfang Juni in Delmenhorst die Zwangspause vorbei war und wieder Unterricht im Klassenraum stattfinden konnte, war klar: Das vhs-Lernportal wird weiter genutzt. „In allen Alphakursen ist das Portal jetzt fest etabliert“, berichtet Hofmann. Die Lehrkräfte verwenden es regelmäßig im Unterricht und geben zum Teil Hausaufgaben im Lernportal auf. Zusätzlich zu den Smartphones wird nun auch regelmäßig der Computerraum genutzt, um den Umgang mit Maus und Tastatur zu üben. Es sei schön zu sehen, wie glücklich und stolz die Teilnehmenden seien, wenn das Einloggen geklappt hat und sie mit den Geräten zurechtkommen. „Den Lernenden eröffnet sich eine völlig neue Welt“, so Hofmann begeistert.

Nach ihren positiven Erfahrungen rät Radosveta Hofmann allen Kolleginnen und Kollegen an anderen Volkshochschulen: „Einfach ausprobieren!“

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Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

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  • vhs-Lernportal
  • Getty Images / E+ / EricFerguson
  • Deutscher Volkshochschul-Verband e.V.
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