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23.10.2026

Perspektiven auf die Arbeitswelt von morgen

Bundesfachtagung diskutiert Tools, Tätigkeitsprofile und Transferpotenziale

Vorabendempfang zur diesjährigen Bundesfachtagung im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium

Für Ausblicke in nahe und etwas fernere Welten dürfte kaum ein Ort im Süden Deutschlands so passend sein wie Nürnberg. Mit dem Nikolaus-Copernicus-Planetarium steht in der Frankenmetropole immerhin eines von neun deutschen Großplanetarien – das größte des Freistaats.

Die Entdeckung von scheinbar unbekanntem Terrain und neue Blickwinkel auf bekannte Phänomene prägten entsprechend bereits den Eröffnungsabend der jüngsten Bundesfachtagung. Nach dem Besuch des Planetariums und dem moderierten Blick in den Nürnberger Nachthimmel ging es tags darauf in den ebenfalls zum Bildungszentrum Nürnberg gehörenden Seminarräumen am Gewerbemuseumsplatz weiter – und jetzt ganz konkret „an die Arbeit“.

Wie können Volkshochschulen zur Fachkräftesicherung durch ihr Programmangebot und entsprechend geschulte Dozent*innen beitragen und so den Wandel der Arbeitswelt mitgestalten? Mit dieser übergreifenden Fragestellung beschäftigte sich der inhaltliche Teil der Bundesfachtagung „Zukunft Fachkräfte“ des Deutschen Volkshochschul-Verbandes und des Bayerischen Volkshochschul-Verbandes am 19. und 20. Oktober. Keynotes, Workshops und vielfältige Austauschformate wie ein Markt der Möglichkeiten boten auch dank thematisch passender Aussteller und Partner Impulse zu digitaler Transformation, beruflicher Weiterbildung und der Integration internationaler Fachkräfte.

Drei Schwerpunkte für die Arbeitswelt von morgen

Ob Nordfriesland, Nordrhein-Westfalen oder Niederbayern: Zwei Tage lang diskutierten Vertreter*innen aus Volkshochschulen, wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen sowie IT-, Medien- und Technikexpert*innen. Permanent ging es darum, wie sich die Herausforderungen des Fachkräftemangels und der aktuell tiefgreifendenden arbeitsmarktpolitischen Veränderungen nicht nur bewältigen, sondern konstruktiv gestalten lassen. Die Tagung wurde definiert von drei Themenfeldern: digitale Arbeitsgesellschaft, Stärkung von Fachkräften und die Zuwanderung internationaler Arbeitskräfte.

Rund um das erste Thema, insbesondere angesichts der Veränderungen von Tätigkeitsprofilen und Ausbildungswegen, brannten natürlich vielen der rund 200 Teilnehmenden Fragen und Themen unter den Nägeln. So hatte beispielsweise Maike Bünning, Leiterin der vhs Elmshorn und Barmstedt, bei ihrer Workshop-Wahl den Fokus auf das derzeit die Wirtschafts- und Arbeitsmarktnachrichten bestimmende Thema Künstliche Intelligenz gelegt. „Inspiration in Sachen KI“ lautete norddeutsch bündig das von ihr auf dem Weg nach Mittelfranken formulierte Interesse. Gravierende KI-bedingte Veränderungen, so berichtet sie am Tagungsende, könne sie mit Blick auf den Kursablauf vor Ort zwar derzeit noch nicht feststellen, wollte aber die Impulse mit in die vhs-Arbeit im südlichen Schleswig-Holstein nehmen.

In der mitunter dargestellten Absolutheit mochte die Schleswig-Holsteinerin zudem die KI-bedingten Hiobsbotschaften nach dem Ende ihrer Workshops nicht teilen: „Es verändert sich etwas, aber es werden auch neue Arbeitsplätze kommen“, resümierte Bünning die Erkenntnisse aus Keynotes und Workshops mit einem positiven Blick in die Zukunft.

In rund 30 solcher Workshop-Slots, wie sie die Elmshornerin besuchte, konnten ihre vhs-Kolleg*innen innovative Ansätze kennenlernen, Erfahrungen teilen und gemeinsam Strategien für die vhs-spezifische Umsetzung entwickeln. Dabei ging es neben den KI-Auswirkungen auf berufliche Tätigkeiten um zukunftsorientierte und passgenaue Weiterbildungsangebote. Unter dem Eindruck internationaler Krisen und Konflikte sowie der demografischen Herausforderungen wurde aber ebenso über geeignete Strategien diskutiert, um internationale Fachkräfte beim Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Impulse aus Wissenschaft und Praxis

Drei Keynotes und Fachimpulse vertieften die zentralen Fragestellungen der Tagung. Dr. Katharina Grienberger vom in Nürnberg ansässigen Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beleuchtete bereits am Nachmittag von Tag eins, wie Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt verändern und Tätigkeiten künftig automatisieren oder gar ersetzen könnte. Thomas Besse von der Bundesagentur für Arbeit hatte mit Blick auf seinen Arbeitgeber in Nürnberg ebenfalls ein „Heimspiel“ und natürlich ebenso immer wieder Anknüpfungspunkte an Künstliche Intelligenz. Am Dienstagvormittag unterstrich der vormalige Leiter der Bundesagentur für Arbeit Neubrandenburg aus BA-Sicht die Bedeutung kontinuierlicher Weiterbildung, um Beschäftigungsfähigkeit zu sichern und auf neue Anforderungen des Arbeitsmarktes reagieren zu können. Dr. Cordelia Carlitz vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) widmete sich schließlich der Fachkräftezuwanderung und der Frage, wie internationale Arbeitskräfte zur Bewältigung des Fachkräftemangels beitragen können.

Volkshochschulen als Brückenbauer und regionale Partner

Was zeichnet Volkshochschulen aus und wo liegt jenseits neuer Kursinhalte und speziell geschulter Dozent*innen ihr institutionelles Potenzial in diesem Transformationsprozess? Bereits in ihrem Grußwort zu Beginn hatte Dr. Regine Sgodda, Vorstand des co-ausrichtenden Bayerischen Volkshochschul-Verbandes, die vhs-Rolle herausgearbeitet. Sgodda betonte, dass Fachkräftesicherung nicht durch einzelne Bildungsangebote allein gelingen werde Entscheidend sei vielmehr das Zusammenspiel unterschiedlicher Kompetenzen und Bildungswege.

Diese zentrale Rolle der Volkshochschulen wurde auch in den Workshop-Diskussionen immer wieder deutlich: Vhs verbinden allgemeine und berufliche Bildung, Sprachförderung und digitale Qualifizierung mit Beratung und regionaler Vernetzung. Als Brückenbauer zwischen Kursteilnehmenden, Unternehmen und weiteren Akteuren können sie dazu beitragen, Potenziale zu erschließen, Integration zu fördern und die Arbeitswelt von morgen aktiv mitzugestalten.

Austausch, Vernetzung und neue Perspektiven

„Verschiedene Bundesländer, unterschiedliche Voraussetzungen“, so lautete ein oft gehörtes Fazit bei der Abreise der Teilnehmenden. Was von den Tagen in Nürnberg neben einer Vielzahl neuer Perspektiven bleibt, die sich vom Abendhimmel im Planetarium bis in die Workshop-Debatten erstreckten? Arne, Zielinski, Direktor des Bildungszentrums Nürnberg, fasste den Wert des Veranstaltungsformats prägnant zusammen: „Die vhs-Welt braucht diese Austauschformate über Inhalte, und um eigene Ideen zu spiegeln.“ Mit Blick auf das Transferpotenzial und föderalismusbedingte Solitäre bei der Umsetzung von Strategien resümierte Zielinski, der ebenfalls Mitglied des DVV-Vorstands ist: „Zwar sind die Strukturen, die Grundlagen für Lernangebote und Kooperationen sind, von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, aber die Herausforderungen sind im Norden Deutschlands die gleichen wie in Bayern.“ Oder, wie Monique Kling, stellvertretende Leiterin der vhs Goch, die ihr Mut machende Erkenntnis zusammenfasste: „Man ist nicht allein.“

Einige Herausforderungen werden sich aller Digitalisierung zum Trotz in Bayern übrigens weiterhin mustergültig und beeindruckend mechanisch lösen lassen: Der tonnenschwere Zeiss-Projektor im Nürnberger Planetarium ist als inzwischen bundesweit ältester seiner Art seit 1977 in Betrieb und macht, auch wenn zumindest die Arbeitswelt heute digital(er) sein mag, weiterhin Tag für Tag Perspektiven auf unerreichbar scheinende Welten analog möglich. Neugierde wecken zu können – am Himmel über Nürnberg und in der Arbeitswelt von heute und morgen ebenso wenig eine Frage des Alters wie neugierig zu bleiben!

Ein herzlicher Dank gilt neben den Planetariums-Verantwortlichen dem gesamten Team im Bildungszentrum Nürnberg für die Organisation und Durchführung der Tagung sowie dem Bayerischen Volkshochschul-Verband für die Gastfreundschaft und die gelungene Zusammenarbeit.

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Bildnachweise

  • Deutscher Volkshochschul-Verband

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