Die Projektidee entstand im Zusammenhang mit einer Veranstaltung im vergangenen Jahr, bei der die Zusammenhänge zwischen Isolation, Einsamkeit und gesellschaftlicher Radikalisierung thematisiert wurden. Auslöser waren unter anderem Erkenntnisse einer Studie des Progressiven Zentrums „Extrem einsam“ (Öffnet in einem neuen Tab), die aufzeigt, wie soziale Isolation insbesondere junge Menschen beeinflussen kann. Gleichzeitig rückte das Thema „Einsamkeit” in Dortmund auch auf kommunaler Ebene stärker in den Fokus, unter anderem durch die Einrichtung einer städtischen Koordinierungsstelle.
Vor diesem Hintergrund entwickelte die vhs Dortmund gemeinsam mit dem Kooperationspartner Planerladen die Idee eines kreativen Musik- und Medienprojekts für junge Menschen. Ziel war es, Jugendlichen einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema „Einsamkeit” zu ermöglichen und gleichzeitig kreative Ausdrucksformen zu fördern. Die jungen Menschen wurden bereits in der Planungsphase durch die begleitenden Sozialarbeiter*innen in die Projektentwicklung einbezogen.
Annäherung an Einsamkeit als Begriff
Im Rahmen einer einwöchigen Projektphase wurde der Workshop „Gemeinsam statt Einsam – Mach Musik mit Inhalt“ umgesetzt. Insgesamt nahmen 14 junge Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren daran teil. Inhaltlich verband das Projekt musikalische, mediale und politische Bildungsaspekte miteinander.
Zu Beginn der Woche standen das gegenseitige Kennenlernen, der Aufbau einer vertrauensvollen Arbeitsatmosphäre sowie die gemeinsame Klärung von Erwartungen und Zielen im Mittelpunkt. Durch einen thematischen Input zum Begriff „Einsamkeit“ wurden erste persönliche Erfahrungen, Gedanken und Assoziationen gesammelt und gemeinsam reflektiert. Anschließend entwickelten die Teilnehmenden eigene Songtexte, die ihre individuellen Perspektiven und Erfahrungen widerspiegelten.
Im weiteren Verlauf entstanden passende Beats und musikalische Arrangements. Die praktische Umsetzung erfolgte sowohl in Gruppen- als auch in Einzelarbeitsphasen, sodass unterschiedliche Arbeitsweisen und Anwesenheiten berücksichtigt werden konnten. Zur Unterstützung der Zusammenarbeit wurde ein flexibles Buddy-System eingeführt. Dabei unterstützten erfahrenere Jugendliche und junge Erwachsene andere Teilnehmende sowohl musikalisch als auch beim Schreiben der Texte.
Arbeit im Tonstudio und visuelle Umsetzung
Da die Volkshochschule selbst nicht über ein Tonstudio verfügt, war es hilfreich, dass im Rahmen der Kooperation mit dem Planerladen dessen technische Infrastruktur genutzt werden konnte. Die Audioaufnahmen wurden dort produziert, bearbeitet und zusammengestellt.
Ein weiterer Bestandteil des Projekts war die visuelle Umsetzung der Inhalte. Allerdings zeigte sich im Verlauf des Workshops, dass ein Großteil der Teilnehmenden nicht bereit war, Videoaufnahmen von sich machen zu lassen. Die Jugendlichen, die sich dennoch für eine filmische Realisierung entschieden, entwickelten eigenständig Ideen und Skripte für die Videodrehs und setzten diese selbstständig um. Insgesamt entstanden sechs Songs, von denen zwei zusätzlich mit Videoanteilen unterfüttert wurden. Darüber hinaus wurden fotografische und gestalterische Materialien erstellt.
Zum Abschluss des Workshops wurden die entstandenen Ergebnisse gemeinsam gesichtet und reflektiert. In einer abschließenden Auswertungsrunde konnten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen teilen, Feedback geben und den Arbeitsprozess gemeinsam besprechen.
Bewerbung und Ansprache
Die Ansprache der Jugendlichen erfolgte über verschiedene Kanäle und in enger Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner Planerladen. Besonders erfolgreich war die direkte persönliche Ansprache durch Fachkräfte der Jugendarbeit. Ergänzend wurde das Projekt über die Homepage der Volkshochschule, Newsletter, Social-Media-Beiträge sowie ein Instagram-Reel beworben. Darüber hinaus wurden digitale Flyer an Schulen sowie an verschiedene Kooperationspartner in der Dortmunder Nordstadt verschickt. Gedruckte Flyer lagen zusätzlich an bekannten Treffpunkten für Jugendliche aus. Durch die unterschiedlichen Zugänge konnten Teilnehmende aus verschiedenen Stadtteilen erreicht werden.
Hohe Relevanz des Themas
Das Thema „Einsamkeit” wurde gewählt, da es sowohl gesellschaftlich als auch innerhalb der politischen Bildung eine hohe Relevanz besitzt. Insbesondere seit der Corona-Pandemie ist Einsamkeit unter Jugendlichen deutlich sichtbarer geworden. Gleichzeitig wurde beobachtet, dass die zunehmende Nutzung digitaler Medien und sozialer Netzwerke bei vielen jungen Menschen zu sozialem Rückzug und Isolation führen kann.
Das Projekt sollte daher einen Raum schaffen, in dem persönliche Erfahrungen offen thematisiert und kreativ verarbeitet werden konnten. Ziel war es außerdem, reale Begegnungen, Austausch und gemeinschaftliches Arbeiten als positive Alternative zu digitalen Parallelwelten zu fördern.
Die Zusammenarbeit mit dem Planerladen erwies sich für die Umsetzung des Projekts als besonders wertvoll. Der Kooperationspartner verfügte über einen direkten Zugang zur Zielgruppe und konnte die Bedarfe und Interessen der Jugendlichen gut einschätzen. Zudem stellte der Planerladen mit seinem Musikstudio die notwendige technische Infrastruktur zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützte der Planerladen aktiv die Bewerbung und Ansprache der Teilnehmenden.
Zu den besonderen Stärken des Projekts zählten das große kreative Engagement der Teilnehmenden sowie die offene und kollaborative Arbeitsweise. Trotz unterschiedlicher Anwesenheiten und Arbeitsrhythmen gelang es, die Jugendlichen aktiv einzubinden und gemeinsam kreative Ergebnisse zu erarbeiten.
Als Herausforderung erwies sich vor allem die kontinuierliche Motivation der Teilnehmenden über die gesamte Projektwoche hinweg. Das eingeführte Buddy-System unterstützte den Austausch und half dabei, die Jugendlichen gegenseitig zu motivieren und zu begleiten. Ein weiterer zentraler Knackpunkt war die visuelle Umsetzung der Songs. Viele Teilnehmende wollten aus persönlichen Gründen nicht vor der Kamera stehen. Dennoch konnten einzelne Jugendliche eigenständig Videos entwickeln und umsetzen, sodass zumindest für zwei Songs zusätzliches Videomaterial entstand.
Insgesamt konnte das Projekt seine wesentlichen Ziele erreichen. Die Verbindung von persönlichem Thema, musikalischem Ausdruck und gemeinschaftlicher Arbeit erwies sich als motivierend und zielführend. Besonders hervorzuheben ist, dass die Jugendlichen ihre eigenen Erfahrungen kreativ verarbeiten und sichtbar machen konnten.