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Menschen auf dem Land wollen Transformation mitgestalten und Traditionen erhalten. Das erfordert Fähigkeiten und Kompetenzen. Die Volkshochschulen sorgen dafür, dass Menschen in ländliche Regionen erreichbarer Nähe lernen können, was sie in Beruf und Alltag brauchen. Volkshochschulen helfen, Dörfer und kleine Städte vital und attraktiv zu machen. Dadurch wirken sie auch der Entfremdung zwischen urbanen und ländlichen lokalen Gesellschaften und der politischen Instrumentalisierung von Stadt-Land-Gegensätzen durch Populist*innen entgegen.
Im #zukunftsort_vhs 2026 berichten wir über Volkshochschulen in kleinen Städten und ländlichen Gemeinden: wie sie Zukunftskompetenz vermitteln, regionale Kultur pflegen und Identität stärken, die ohne identitäre Abgrenzung auskommt.
Landwirtschaft soll transparent werden
kvhs Verden informiert über Nahrungsmittelproduktion in der Region
Essen ist ein weltanschauliches Thema, und das nicht nur für religiöse Menschen. Fleisch ist den einen Genuss und den anderen Gräuel, Veganismus hier Lebensform und dort Feindbild. Ebenso umstritten ist die Nahrungsmittelproduktion: Beim Tier- und Klimaschutz in der Landwirtschaft geraten die Lager aneinander und überwerfen sich Freunde.
„Ich bin mit den Füßen auf der Erde großgeworden“, sagt Gitta Stahl Programmbereichsleiterin bei der kvhs Verden, unter anderem zuständig für den Bereich Umwelt. Sie hat Landschaftsplanung studiert. Ihr Arbeitsplatz ist eine Kreisvolkshochschule auf dem Land, und sie findet, dass es mehr konstruktiven Austausch über Landwirtschaft geben sollte. Die Region Verden ist dafür ein geeigneter Schauplatz: Auf den weiten Flächen gibt es konventionelle Betriebe und Biohöfe. Die Weser zieht eine lange Bahn durch den Kreis, und den unterschiedlich orientierten Landwirt*innen fällt die gemeinsame Aufgabe zu, für einen gesunden Fluss zu sorgen. Durch den Landkreis fließt außerdem die Aller, die renaturiert wird – auch dazu tragen alle bei.
Die Landschaft macht den Kreis attraktiv für Zuzügler*innen, gerade junge Familien ziehen gern hierhin. Im Großen und Ganzen beobachtet Gitta Stahl viel Interesse an Ökologie, Landschaftsschutz und nachhaltiger Lebensweise. Ihr ist es wichtig, Umweltthemen im Programm der kvhs Verden zu platzieren.
Gut angenommen wurde zum Beispiel ein Angebot, bei dem kvhs-Teilnehmer*innen am Erhalt der Friedhöfe im Landkreis mitwirken konnten. Spannend für naturnah eingestellte Verdener*innen auch das Thema aus dem Jahr 2025, als es bei „Bio vor Ort“ auf die Biohöfe der Region ging. Innovativ wird es, wenn Gitta Stahl das Thema Landwirtschaft genossenschaftlich aufgreift. So, als die kvhs in diesem Jahr Veranstaltungen zu dem regionalen Projekt „Ein Hektar für 60 Haushalte: Wie solidarische Landwirtschaft lebt und schmeckt“ anbot. Bei der solidarischen Landwirtschaft finden sich Menschen in einem Verein oder einer Genossenschaft zusammen und bauen auf einer begrenzten Fläche Lebensmittel für den eigenen Gebrauch an. Im Landkreis Verden gibt es drei solcher Betriebe. Sie produzieren mit und ohne Bio-Zertifikat, aber alle biologisch, mit nicht-industriellen Methoden. Sogar das Pferd wird in der solidarischen Landwirtschaft in diesem von der Pferdehaltung geprägten Kreis eingesetzt.
„Diese Betriebe sind auch didaktisch wertvoll“, sagt Gitta Stahl: „Hier können Kinder und Erwachsene Landwirtschaft buchstäblich nahe an den Wurzeln kennenlernen“. Darum hat die kvhs die solidarische Landwirtschaft ins Programm aufgenommen.
Tatsächlich verfolgt die kvhs ein Ziel, das über Anschauungsunterricht auf Biohöfen hinausgeht: Die Landwirtschaft in ihrem Kreis soll für die Bürger*innen transparent werden, so Nina Gern, Leiterin der kvhs Verden. Und sie hofft, dass sich irgendwann auch die konventionell wirtschaftenden Betriebe an kvhs-Angeboten beteiligen.
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Alle Praxisbeispiele: #zukunftsort_vhs: Lernen auf dem Land
Über die Storytelling-Kampagne
#zukunftsort_vhs: Lernen auf dem Land
91 Prozent der Fläche Deutschlands sind ländlich geprägt. Über die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt in ländlichen Regionen. Diese Regionen sind so unterschiedlich wie Wattenmeer und Hochgebirge, und die Zukunftsszenarien gehen weit auseinander: Wirtschaftlich starke ländliche Gegenden profitieren vom Zuzug aus den Großstädten, während andere Regionen bis 2045 noch einmal jeden fünften Einwohner verlieren dürften. Die einen haben somit auch weit bessere Chancen als die anderen, ihren Bedarf an Arbeits- und Fachkräften zu decken.
Die ländliche Gesellschaft verändert sich. So hat sich der Anteil der Bevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit in ländlichen Räumen seit 2011 mehr als verdoppelt. Manches bleibt aber auch gleich. Zum Beispiel, dass kleine Städte und Dörfer in hohem Maße auf das ehrenamtliche Engagement ihrer Bürger*innen angewiesen sind: bei der Freiwilligen Feuerwehr, in Vereinen und Kirchengemeinden, aber auch in der Kommunalpolitik.
Menschen in ländlichen Regionen wollen Transformation mitgestalten und Traditionen erhalten. Das erfordert Fähigkeiten und Kompetenzen. Bei der Organisation des Vereinslebens ist der sichere Umgang mit digitalen Tools ebenso gefragt wie am Arbeitsplatz. Ökologische und ökonomische Kenntnisse sind in der Landwirtschaft wichtig, aber auch beim Bau eines Eigenheims. Und noch dringender als in den Städten brauchen Zugewanderte in ländlichen Gegenden die Möglichkeit, schnell Deutsch zu lernen, um vor Ort Arbeit und Anschluss zu finden.
Die Volkshochschulen sorgen dafür, dass Menschen auf dem Land in erreichbarer Nähe lernen können, was sie in Beruf und Alltag brauchen. Vhs helfen, ländliche Regionen vital und attraktiv zu machen. Dadurch wirken sie auch der Entfremdung zwischen urbanen und ländlichen lokalen Gesellschaften und der politischen Instrumentalisierung von Stadt-Land-Gegensätzen durch Populist*innen entgegen. Im #zukunftsort_vhs 2026 berichten wir über Volkshochschulen in kleinen Städten und ländlichen Gemeinden: wie sie Zukunftskompetenz vermitteln, regionale Kultur pflegen und Identität stärken, die ohne identitäre Abgrenzung auskommt.
