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#zukunftsort_vhs: Lernen auf dem Land

vhs macht die Gesellschaft zukunftsfähig, überall in Deutschland. Wir zeigen Ihnen, was Volkshochschulen von Aurich bis Zittau leisten, um ländliche Regionen vital und attraktiv zu halten.

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Menschen auf dem Land wollen Transformation mitgestalten und Traditionen erhalten. Das erfordert Fähigkeiten und Kompetenzen. Die Volkshochschulen sorgen dafür, dass Menschen in ländliche Regionen erreichbarer Nähe lernen können, was sie in Beruf und Alltag brauchen. Volkshochschulen helfen, Dörfer und kleine Städte vital und attraktiv zu machen. Dadurch wirken sie auch der Entfremdung zwischen urbanen und ländlichen lokalen Gesellschaften und der politischen Instrumentalisierung von Stadt-Land-Gegensätzen durch Populist*innen entgegen.

Im #zukunftsort_vhs 2026 berichten wir über Volkshochschulen in kleinen Städten und ländlichen Gemeinden: wie sie Zukunftskompetenz vermitteln, regionale Kultur pflegen und Identität stärken, die ohne identitäre Abgrenzung auskommt.

Lernen auf dem Land braucht tragfähige Strukturen

Wie die Volkshochschulen in Nordfriesland zukunftsfit werden

Volkshochschulen im ländlichen Raum sind mehr als Bildungseinrichtungen. Wo die Wege weit sind und zentrale Angebote der Daseinsvorsorge unter Mittelknappheit leiden, gehören Volkshochschulen zu den wenigen öffentlichen Orten, an denen Menschen zusammenkommen, sich austauschen und gemeinsam lernen können. Gerade im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins sind Volkshochschulen vielerorts über Jahrzehnte aus lokalem Engagement gewachsen. Bis heute wird ihre Arbeit auch von Ehrenamtlichen getragen – manchmal sogar vollständig. Doch mit begrenzten Ressourcen und steigenden organisatorischen Anforderungen wird es zunehmend schwieriger, diese Strukturen langfristig zu sichern. Grund genug für die Volkshochschulen in Nordfriesland, sich auf einen gemeinsamen Weg der Zukunftssicherung zu machen. Mit einem Strukturentwicklungsplan zeigen sie exemplarisch, vor welchen strukturellen Fragen Volkshochschulen im ländlichen Raum stehen und wie es gelingen kann, diese nachhaltig weiterzuentwickeln.

Standorte der Volkshochschulen in Nordfriesland

Wenn Engagement an Grenzen stößt

„Schleswig-Holstein ist extrem kleinteilig, was die Volkshochschulwelt angeht“, weiß Anke Wigger, Leiterin der Volkshochschule Husum und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschulen in Nordfriesland e.V. „Wir haben knapp 140 Mitgliedseinrichtungen im Bundesland – und viele davon sind rein ehrenamtlich organisiert.“ Das gilt auch für Nordfriesland. Nur drei von elf Volkshochschulen im Landkreis verfügen über hauptamtliches Personal, an den anderen Standorten hängt die Arbeit maßgeblich vom Engagement Einzelner ab.

Wie verletzlich ein solches System ist, wurde Anke Wigger schnell bewusst, nachdem sie im Jahr 2021 ihre Tätigkeit als vhs-Leitung in Husum aufgenommen hatte. Im Gespräch mit den kleineren, ehrenamtlichen Einrichtungen im Landkreis erfuhr sie von  teils existenziellen Herausforderungen: „Mehrere Kolleginnen haben mir damals gesagt: Ich würde ja gern aufhören, aber ich finde keine Nachfolge“, erzählt Wigger. Was nach einem individuellen Problem klingt, hat in Wahrheit weit größere Implikationen. Denn wenn ehrenamtliche Leitungen ausscheiden und sich niemand findet, der ihre Aufgaben übernimmt, gerät der Fortbestand der ganzen Einrichtung in Gefahr – und das im Zweifel dauerhaft. „Wenn ein Standort einmal weg ist, bekommt man ihn nur schwer wieder zum Leben erweckt“, weiß Wigger zu berichten. Dabei gehe es nicht nur um Kursangebote, sondern ebenso um Begegnungsorte, um Bildung vor Ort und um Teilhabe. Zwar könnten Teilnehmende theoretisch in größere Städte wie Husum ausweichen. „Aber das ist nicht der Sinn von Volkshochschule“, betont Wigger. Das Prinzip sei gerade die wohnortnahe Bildung – niedrigschwellig, erreichbar und persönlich.

vhs-Standorte in Nordfriesland

Ein gemeinsamer Blick auf die Zukunft

Diese Strukturen zu erhalten, ist allen Volkshochschulen in Nordfriesland ein Anliegen – den ehrenamtlich geführten Einrichtungen ebenso wie ihren hauptamtlichen Schwestern in Husum, Leck und Niebüll. Deshalb haben die Einrichtungen einen gemeinsamen Strukturentwicklungsprozess angestoßen, um Perspektiven und Empfehlungen für den Erhalt und die langfristige Weiterentwicklung der Volkshochschulen in der Region zu entwickeln. Dabei solle die ehrenamtliche Arbeit ausdrücklich gestärkt und wertgeschätzt werden, wie Wigger betont: „Es geht nicht darum, kleinere Standorte in größere Einheiten zu zwingen, sondern darum zu schauen, was jeder einzelne Standort wirklich braucht.“

Unterstützung statt Überforderung 

Hierfür wurden zunächst alle Volkshochschulen im Landkreis einzeln betrachtet: Wie sind sie personell aufgestellt? Wie stark ist ihre kommunale Verankerung? Wo gibt es politische Rückendeckung – und wo droht ein Wegfall? Auf Grundlage dieser Analyse zeigt der Strukturentwicklungsplan Wege auf, wie die Volkshochschulen ihre haupt- und ehrenamtlichen Ressourcen besser vernetzen und ihre Rolle als Bildungsdienstleister langfristig sichern können.

Eine zentrale Erkenntnis aus diesem Prozess war, dass viele ehrenamtlich Engagierte angesichts der gestiegenen organisatorischen und verwaltungstechnischen Anforderungen an ihre Grenzen stoßen. „Die Ehrenamtlichen wollen Bildungsarbeit organisieren“, sagt Wigger. „Sie wollen Kurse planen und Menschen zusammenbringen. Sie wollen sich aber nicht mit SEPA-Mandaten, DSGVO oder haftungsrechtlichen Fragen beschäftigen.“ Solche und andere Verwaltungsaufgaben, rechtliche Vorgaben und wechselnde Förderbedingungen können Engagierte fachlich und zeitlich schnell überfordern. Hauptamtliche Unterstützung kann hier entscheidend entlasten.

Ein Modell mit Perspektive

Um deren Wirksamkeit zu erproben, haben die Volkshochschulen im Anschluss an den Strukturentwicklungsplan ein dreijähriges Pilotprojekt gestartet. Es wird unter anderem durch Mittel der AktivRegionen in Schleswig-Holstein, durch das Landesprogramm zur Transformation in der Kultur sowie durch den Kreis Nordfriesland finanziert. Ziel ist es, eine Art „Kümmerer-Struktur“ aufzubauen – eine Stelle, die administrative Aufgaben bündelt, moderiert, vernetzt und die Einrichtungen strategisch begleitet. Dabei geht es auch um eine neue Form der Zusammenarbeit, bei der hauptamtlich geführte Einrichtungen eine stärkere Rolle als regionale Knotenpunkte übernehmen, Wissen teilen und kleinere Standorte unterstützen.

Langfristig könnte sich Anke Wigger vorstellen, dass dieses Modell landesweit etabliert wird – möglicherweise beim Landesverband angesiedelt und mit klarer Zuständigkeit für ländliche Regionen. Noch sei dies jedoch Zukunftsmusik. „Jetzt sammeln wir erst einmal Erfahrungen“, sagt Wigger. Doch die Richtung ist aus ihrer Sicht klar: „Wenn wir wollen, dass Bildung vor Ort bleibt, müssen wir die Menschen unterstützen, die sie möglich machen.“

Über die Storytelling-Kampagne

#zukunftsort_vhs: Lernen auf dem Land

91 Prozent der Fläche Deutschlands sind ländlich geprägt. Über die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt in ländlichen Regionen. Diese Regionen sind so unterschiedlich wie Wattenmeer und Hochgebirge, und die Zukunftsszenarien gehen weit auseinander: Wirtschaftlich starke ländliche Gegenden profitieren vom Zuzug aus den Großstädten, während andere Regionen bis 2045 noch einmal jeden fünften Einwohner verlieren dürften. Die einen haben somit auch weit bessere Chancen als die anderen, ihren Bedarf an Arbeits- und Fachkräften zu decken.

Die ländliche Gesellschaft verändert sich. So hat sich der Anteil der Bevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit in ländlichen Räumen seit 2011 mehr als verdoppelt. Manches bleibt aber auch gleich. Zum Beispiel, dass kleine Städte und Dörfer in hohem Maße auf das ehrenamtliche Engagement ihrer Bürger*innen angewiesen sind: bei der Freiwilligen Feuerwehr, in Vereinen und Kirchengemeinden, aber auch in der Kommunalpolitik.

Menschen in ländlichen Regionen wollen Transformation mitgestalten und Traditionen erhalten.  Das erfordert Fähigkeiten und Kompetenzen. Bei der Organisation des Vereinslebens ist der sichere Umgang mit digitalen Tools ebenso gefragt wie am Arbeitsplatz. Ökologische und ökonomische Kenntnisse sind in der Landwirtschaft wichtig, aber auch beim Bau eines Eigenheims. Und noch dringender als in den Städten brauchen Zugewanderte in ländlichen Gegenden die Möglichkeit, schnell Deutsch zu lernen, um vor Ort Arbeit und Anschluss zu finden.

Die Volkshochschulen sorgen dafür, dass Menschen auf dem Land in erreichbarer Nähe lernen können, was sie in Beruf und Alltag brauchen. Vhs helfen, ländliche Regionen vital und attraktiv zu machen. Dadurch wirken sie auch der Entfremdung zwischen urbanen und ländlichen lokalen Gesellschaften und der politischen Instrumentalisierung von Stadt-Land-Gegensätzen durch Populist*innen entgegen. Im #zukunftsort_vhs 2026 berichten wir über Volkshochschulen in kleinen Städten und ländlichen Gemeinden: wie sie Zukunftskompetenz vermitteln, regionale Kultur pflegen und Identität stärken, die ohne identitäre Abgrenzung auskommt.

Rückblick: Vergangene zukunftsort-Schwerpunkte

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