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Menschen auf dem Land wollen Transformation mitgestalten und Traditionen erhalten. Das erfordert Fähigkeiten und Kompetenzen. Die Volkshochschulen sorgen dafür, dass Menschen in ländliche Regionen erreichbarer Nähe lernen können, was sie in Beruf und Alltag brauchen. Volkshochschulen helfen, Dörfer und kleine Städte vital und attraktiv zu machen. Dadurch wirken sie auch der Entfremdung zwischen urbanen und ländlichen lokalen Gesellschaften und der politischen Instrumentalisierung von Stadt-Land-Gegensätzen durch Populist*innen entgegen.
Im #zukunftsort_vhs 2026 berichten wir über Volkshochschulen in kleinen Städten und ländlichen Gemeinden: wie sie Zukunftskompetenz vermitteln, regionale Kultur pflegen und Identität stärken, die ohne identitäre Abgrenzung auskommt.
Digitalisierung auf Rädern
Wie vhs mit mobilen Angeboten ländliche Räume vernetzen
Ob digitale Behördengänge, die lästige Fahrten in die Kreisstadt ersparen, Homeoffice-Setups, die Fachkräften ermöglichen, im ländlichen Raum wohnen zu bleiben, oder smarte Lösungen gegen den Fachkräftemangel in Gastronomie und Pflege – wenn Zukunftstechnologien klug eingesetzt werden, können sie die Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume nachhaltig verbessern. Doch gerade dort fehlt es oft an Ausstattung und niedrigschwelligen Angeboten, um Menschen mit den neuesten Technologien vertraut zu machen. Hier setzen drei innovative Projekte aufsuchender Bildungsarbeit in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hessen an.
Rollende Klassenzimmer für den digitalen Wandel
Die Idee ist so einfach wie wirkungsvoll: Digitalkompetenz dorthin bringen, wo sie gebraucht wird. Hierfür kommen in den Projekten Digimobil (Niedersachsen), mobil.digital (Schleswig-Holstein) und Digital.Mobil (Landkreis Gießen/Hessen) Trucks als rollende Klassenzimmer zum Einsatz. Ausgestattet mit Tablets, Laptops, VR-Brillen und mobilen Internetzugängen sind sie zu Gast an Volkshochschulen, Bibliotheken oder sogar auf Marktplätzen, und machen sie zu Lernorten für den digitalen Wandel.
Dass gleich in drei Bundesländern ähnliche Konzepte aufsuchender Bildungsarbeit verfolgt werden, ist kein Zufall, sondern die Reaktion auf ein Dilemma, vor dem gerade die Bildungsarbeit rund um das Digitale häufig steht: Die Entwicklung neuer Technologien, von Virtual Reality bis hin zu Robotik und KI-Anwendungen, verläuft so rasant, dass einzelne Bildungseinrichtungen kaum Schritt halten können. Immer die aktuellste Soft- und Hardware, qualifiziertes Personal und passende didaktische Konzepte vorzuhalten, ist für viele eine Herausforderung – nicht nur im ländlichen Raum. Und oft ist es bei knappen öffentlichen Budgets schlicht auch nicht sinnvoll, jede Zukunftstechnologie direkt für die eigene Einrichtung anzuschaffen. Denn um Menschen den digitalen Wandel näher zu bringen, reicht es meist schon aus, ihnen niedrigschwellig erste Erfahrungen zu ermöglichen, etwa indem sie eine VR-Brille ausprobieren oder mit einem Roboter interagieren. Genau hier liegt der Vorteil der mobilen Angebote: Sie bündeln Ausstattung, Expertise und pädagogische Konzepte und bringen sie flexibel dorthin, wo sie gebraucht werden – von Einrichtung zu Einrichtung, von Ort zu Ort.
So arbeiten die digitalen Trucks
„Nutzung digitaler Endgeräte, Experimente rund ums Thema KI, Drohnen, Plottern, 3D-Druck – alles wird ausprobiert, um digitale Kompetenzen praktisch zu erleben“, beschreibt Torsten Denker, Leiter der Volkshochschule im Landkreis Gießen, die Arbeit des Digital.Mobils. Wo die Trucks Station machen, verwandeln sich die Orte so für einige Zeit in lebendige Experimentierfelder. Im Mittelpunkt steht immer das eigene Ausprobieren, um so Technik nicht nur zu erklären, sondern begreifbar zu machen. Menschen kommen vorbei, bleiben stehen, schauen neugierig hinein und finden sich plötzlich mitten in einem Workshop wieder, probieren eine VR-Brille aus oder treffen erstmals auf einen kleinen Roboter.
Gerade an öffentlichen Orten ist „Pepper“, der Roboter des DigiMobils, ein echter „Showstopper“, wie Christoph Steimer, Bildungsmanager beim Landesverband der Volkshochschulen Niedersachsens e. V., berichtet: „Wir waren anfangs überrascht, wie gut das funktioniert, und wie wenig Hemmnisse sogar ältere, nicht digital affine Menschen haben, mit diesem Roboter in Interaktion zu treten.“ Pepper bringe die Menschen dazu an- und innezuhalten und helfe so, Erstkontakte mit neuen Zielgruppen herzustellen und Interesse für digitale Bildungsangebote zu wecken.
Mehr als nur Technik: Nachhaltige Bildungskonzepte
Doch am Ende geht es nicht nur um beeindruckende Technik oder kurzzeitige Erlebnisse. Christoph Steimer betont, dass pädagogische Gesamtkonzepte unerlässlich sind, um vor Ort nachhaltige Lernprozesse für den digitalen Wandel zu ermöglichen. Um diese zu entwickeln, setzen seine Kolleg*innen aus dem Projekt mobil.digital in Schleswig-Holstein schon vor dem Besuch auf eine enge Einbindung der Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Ein modulares Konzept ermöglicht, gezielt auf die Bedarfe der jeweiligen Einrichtung einzugehen: „Die Teams vor Ort entscheiden selbst, welche Themen sie ausprobieren möchten. Sei es, weil sie selbst eine Vorliebe für ein Thema haben oder weil sie herausfinden wollen, was als Bildungsthema für sie funktionieren kann und was nicht“, erklärt Katharina Krüger von der Servicestelle Digitalisierung des Landesverbands der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins. Durch begleitende Workshops und Mikrofortbildungen lernen die Kolleg*innen, die Inhalte eigenständig umzusetzen: „Wir zeigen am Anfang, wie wir das Thema angehen, und treten dann Stück für Stück zurück, sodass die Kursleitungen vor Ort die Stationen selbst moderieren können.“
Nachhaltige Impulse für die digitale Zukunft
Ob in Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder im Landkreis Gießen: Am Ende eines jeden Besuchs bleiben bei Besucher*innen wie Einrichtungen Impulse, Ideen und Kontakte zurück. Die mobilen Klassenzimmer eröffnen nicht nur unmittelbare Lernerfahrungen, sondern geben den Einrichtungen Werkzeuge und Konzepte an die Hand, die weit über den temporären Besuch hinaus Wirkung entfalten. So können aus einzelnen Stationen langfristige Angebote werden, die digitale Bildung vor Ort dauerhaft stärken. Die Trucks sind damit nicht nur technische Highlights, sondern echte Katalysatoren für die digitale Kompetenzentwicklung – ein Schritt, um die Chancen der Digitalisierung auch in ländlichen Regionen greifbar und nachhaltig zu machen.
Mehr über die Projekte

DigiMobil
Seit 2022 ist DigiMobil an verschiedenen Orten in ganz Niedersachsen (und bundesweit) zu Gast und lädt Menschen ein, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was Digitalisierung für sie selbst ganz konkret bedeuten kann. Diese digitale Erlebniswelt wird bewusst an öffentlichen Plätzen aufgestellt, um im Sinne einer aufsuchenden Bildungsarbeit einen breiten Querschnitt der Bevölkerung zu erreichen. Nach einer anfänglichen Förderung im „Digital Campus Niedersachen“ wird das DigiMobil seit 2023 vom Landesverband der Volkshochschulen Niedersachsens weitergeführt.
Weitere Informationen und Kontakt: vhs-nds.de/projekte/digimobil/ (Öffnet in einem neuen Tab)

mobil.digital
Seit 2021 verfolgt mobil.digital als ein geographisch flexibler Digitaler Knotenpunkt das Ziel, der Bevölkerung in Schleswig-Holstein den Zugang zu digitaler Teilhabe zu erleichtern. Das Projekt möchte Berührungsängste abbauen und den Spaß am Entdecken von und mit Digitalem fördern. Um die Angebote effektiv an die Zielgruppen und lokalen Gegebenheiten anzupassen, stützt das Projekt seine Arbeit auf die Expertise von Bibliotheken und Volkhochschulen vor Ort. mobil.digital ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bibliotheken SH und dem Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins e.V. Gefördert wird das Projekt durch das Zentrum für Digitalisierung und Kultur an der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek.
Weitere Informationen und Kontakt: mobil-digital.de/ (Öffnet in einem neuen Tab)
Digital.Mobil
Das Digital.Mobil des Landkreises Gießen transportiert digitale Teilhabe in den ländlichen Raum – flexibel, niedrigschwellig und vielseitig mit interessanten Angeboten! Digital.Mobil ist Teil des Projektes „Smartes Gießener Land“, bei dem durch Digitalisierung die Lebensqualität der Menschen im Landkreis verbessert werden soll. Der Zukunftsbus Digital.Mobil ist Teil der Aktivitäten des Landkreises Gießen als eine von 73 Smart City-Modellregionen. Als solche wird der Landkreis vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) gefördert und unterstützt.
Weitere Informationen und Kontakt: www.vhs-kreis-giessen.de/wir-fuer-den-landkreis/digital-mobil/ (Öffnet in einem neuen Tab)
Alle Praxisbeispiele: #zukunftsort_vhs: Lernen auf dem Land
Über die Storytelling-Kampagne
#zukunftsort_vhs: Lernen auf dem Land
91 Prozent der Fläche Deutschlands sind ländlich geprägt. Über die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt in ländlichen Regionen. Diese Regionen sind so unterschiedlich wie Wattenmeer und Hochgebirge, und die Zukunftsszenarien gehen weit auseinander: Wirtschaftlich starke ländliche Gegenden profitieren vom Zuzug aus den Großstädten, während andere Regionen bis 2045 noch einmal jeden fünften Einwohner verlieren dürften. Die einen haben somit auch weit bessere Chancen als die anderen, ihren Bedarf an Arbeits- und Fachkräften zu decken.
Die ländliche Gesellschaft verändert sich. So hat sich der Anteil der Bevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit in ländlichen Räumen seit 2011 mehr als verdoppelt. Manches bleibt aber auch gleich. Zum Beispiel, dass kleine Städte und Dörfer in hohem Maße auf das ehrenamtliche Engagement ihrer Bürger*innen angewiesen sind: bei der Freiwilligen Feuerwehr, in Vereinen und Kirchengemeinden, aber auch in der Kommunalpolitik.
Menschen in ländlichen Regionen wollen Transformation mitgestalten und Traditionen erhalten. Das erfordert Fähigkeiten und Kompetenzen. Bei der Organisation des Vereinslebens ist der sichere Umgang mit digitalen Tools ebenso gefragt wie am Arbeitsplatz. Ökologische und ökonomische Kenntnisse sind in der Landwirtschaft wichtig, aber auch beim Bau eines Eigenheims. Und noch dringender als in den Städten brauchen Zugewanderte in ländlichen Gegenden die Möglichkeit, schnell Deutsch zu lernen, um vor Ort Arbeit und Anschluss zu finden.
Die Volkshochschulen sorgen dafür, dass Menschen auf dem Land in erreichbarer Nähe lernen können, was sie in Beruf und Alltag brauchen. Vhs helfen, ländliche Regionen vital und attraktiv zu machen. Dadurch wirken sie auch der Entfremdung zwischen urbanen und ländlichen lokalen Gesellschaften und der politischen Instrumentalisierung von Stadt-Land-Gegensätzen durch Populist*innen entgegen. Im #zukunftsort_vhs 2026 berichten wir über Volkshochschulen in kleinen Städten und ländlichen Gemeinden: wie sie Zukunftskompetenz vermitteln, regionale Kultur pflegen und Identität stärken, die ohne identitäre Abgrenzung auskommt.
