Der UNESCO-Weltbildungsbericht erscheint alle ein bis zwei Jahre und evaluiert den Stand der weltweiten Umsetzung des Bildungsziels (SDG 4) der Agenda 2030 der Vereinten Nationen (Öffnet in einem neuen Tab). Bei der gemeinsamen Veranstaltung des Auswärtigen Amtes, des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), und der Deutschen UNESCO-Kommission analysierten Vertreter*innen der Ministerien und der UNESCO, darunter Serap Güler, MdB, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Johann Saathoff, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Michael Brand, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren Frauen und Jugend, und Prof. Dr. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, die Ergebnisse und diskutierten sie im Anschluss mit Fachleuten aus Politik, Wissenschaft und Praxis. Der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV), Mitglied im Fachausschuss Bildung, der die Umsetzung des UNESCO-Bildungsprogramms in Deutschland begleitet, war durch Verbandsdirektorin Julia von Westerholt vertreten.
Soziale Herkunft bleibt zentrale Aufstiegshürde
Wie steht es im Einzelnen um die titelgebenden Themen Zugang und Chancengerechtigkeit? Der diesjährige Weltbildungsbericht zieht hier eine gemischte Bilanz: Trotz weltweiter Fortschritte, beispielsweise beim Zugang zu Primar- und Sekundarschulen, bestehen weiterhin große Ungleichheiten – sowohl zwischen als auch innerhalb von Ländern. Hauptgründe sind laut Bericht Bevölkerungswachstum, globale Krisen und sinkende Bildungsetats. Im innenpolitischen Maßstab der untersuchten Staaten spielen zusätzlich individuelle Faktoren wie beispielsweise Einkommen, soziale Herkunft oder Geschlecht eine große Rolle. Die Bundesrepublik ist hier keine Ausnahme. So zeigen die hiesigen Daten unter anderem, dass der sozioökonomische Status des Elternhauses weiterhin stark über Bildungswege und Bildungsabschlüsse mitentscheidet.
Erwachsenenbildung weltweit
Der Bericht adressiert auch die Erwachsenenbildung als Teil des lebenslangen Lernens, beispielsweise mit Blick auf den Zugang zu fachlicher, beruflicher und tertiärer (Weiter-)Bildung sowie digitale Kompetenzen unter Jugendlichen und Erwachsenen oder auch Alphabetisierungsraten.
Dabei sind die Ergebnisse insgesamt ernüchternd: Weltweit stieg der Anteil der 25- bis 64-Jährigen, die an Bildung oder Weiterbildung teilnehmen, zwischen 2000 und 2024 lediglich von 2,0 auf 2,4 Prozent. Die Teilhabechancen variieren hier erheblich – je nach dem wirtschaftlichen Entwicklungsstand der Länder. Staaten mit hohem Einkommen weisen sowohl die höchste Teilnahmequote als auch den stärksten Anstieg auf: von 4,6 % auf 6,7. Im Gegensatz dazu stagnierte die Teilnahmequote in Ländern mit niedrigem mittlerem Einkommen auf niedrigem Niveau – bei lediglich 1,2 %. Dieser Trend zeigt sich auch beim Thema Alphabetisierung: Zwar stieg die Alphabetisierungsrate bei Jugendlichen von 87 % im Jahr 2000 auf 93 % im Jahr 2024 und bei Erwachsenen von 81 % auf 88 %, was in erster Linie auf deutliche Fortschritte in Ländern mit geringem mittlerem Einkommen zurückzuführen ist. Länder mit niedrigem Einkommen hinken jedoch hinterher: Schätzungen zufolge war im Jahr 2024 jeder vierte Jugendliche dort Analphabet.
Langfristige und zielgerichtete Finanzierung unumgänglich
Vor diesem Hintergrund weisen die Autor*innen des neuen UNESCO-Berichts nachdrücklich darauf hin, dass Einzelmaßnahmen nicht ausreichen, um mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen. Gefragt seien vielmehr langfristige und auf die jeweiligen landesspezifischen Bedingungen zugeschnittene Maßnahmenpakete sowie eine ausreichende und zielgerichtete Finanzierung.
Auch Julia von Westerholt, Verbandsdirektorin des DVV, rückt angesichts der Veröffentlichung des Berichts die Bedeutung ausreichender Finanzierung und eines Schulterschlusses der bildungspolitisch Verantwortlichen in den Blick: „Die globale Perspektive zeigt einmal mehr: Bildungsgerechtigkeit ist eine Frage von Startchancen und zugleich von konsequenter Weiterbildung. Auch bei uns in Deutschland bleibt der Einsatz für leistungsfähige Strukturen der Erwachsenenbildung Aufgabe aller bildungspolitischen Akteure.“
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