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Deutscher Volkshochschul-Verband

Eine Freiheitsfeier für alle

Bunt, vielfältig und schön sollte es werden, das Internationale Sommerfest, das „von jungen Menschen für junge Menschen und ihre Freunde“ im Sommer 2019 in Eisenach organisiert wurde.

von Sabine Giehle

Gemeinsam arbeiten, gemeinsam feiern

Eine ganze Ferienwoche lang arbeiteten knapp zwei Dutzend Jugendliche aus ganz unterschiedlichen Milieus und verschiedener Herkunft zusammen, um gemeinsam ein großes Projekt umzusetzen: an einem Samstag im August ein Fest auszurichten und  alle einzuladen, gemeinsam unter dem Motto „30 Jahre Mauerfall in Deutschland – Freiheit“ zu feiern, zu reden und zu tanzen. Organisiert wurde der Workshop von der Volkshochschule Eisenach in Zusammenarbeit mit dem Eisenacher Kunstverein.

Intensive Vorbereitungen

In vier Teams übernahmen die Jugendlichen die Aufgaben, die nötig sind, um so ein großes Vorhaben umzusetzen: Es galt, das Sommerfest in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, passend zum Thema Freiheit die Dekoration für das Hofgelände und die Tische zu gestalten und ein Musikkonzept zu erarbeiten, das jede Nationalität einschloss.  

Sieben Tagen lang planten und arbeiteten die Jugendlichen an der Festvorbereitung. Jeder Tag begann mit einer Teambesprechung, in der jede*r ihre bzw. seine Ideen und Vorstellungen einbringen konnte. Die kurdischen, arabischen, afrikanischen und deutschen Jugendlichen tauschten sich über das Thema Freiheit aus, diskutierten engagiert über die Geschichte Deutschlands und die Friedliche Revolution von 1989. „Die Jungen und Mädchen berichteten frei von eigenen Familienerfahrungen und Lebensgeschichten. Das war ein wichtiger Bestandteil des Workshops“, erklärt Alexandra Husemeyer vom Eisenacher Kunstverein, die den Workshop leitete.

„Gemeinsam zu essen und zu feiern, ist ein guter Weg, um sich gegenseitig kennenzulernen und Vorurteile und Berührungsängste abzubauen.“

Martin Händeler, Projektreferent in der Zentralstelle für Politische Jugendbildung im DVV

Mit Begeisterung machten sich die Jugendlichen an die Arbeit: Wie wird dekoriert? Wer näht Tischdecken und Wimpelketten? Welche Musik wird gespielt? Wie bringen wir das Thema Freiheit zum Ausdruck? Was gibt es zu essen? All diese Fragen mussten geklärt werden. „Das PR-Team war besonders kreativ“, erzählt Alexandra Husemeyer. „Es entstanden Flyer und Plakate, Facebook-Beiträge und kleine Blog-Einträge wurden erstellt, Straßenaktionen organisiert, ein Interview im Radio wurde gegeben und ein Gespräch mit der Zeitung geführt.“

Internationale Kaffeetafel

Ein vielfältiges, buntes Programm hatten die Jugendlichen auf die Beine gestellt: Den Nachmittag eröffnete eine internationale Kaffeetafel: „Die Tische sind gedeckt. Bitte bringt Kuchen und Getränke mit“, hieß es auf der Einladung. Und sie kamen: Die neuen und die alten Nachbarn, Jungen und Mädchen, Menschen mit Fluchterfahrung, Alteingesessene und Zugezogene. „Und die meisten brachten Kuchen zum gemeinsamen Essen mit“, erzählt Martin Händeler, Referent für Politische Jugendbildung beim Deutschen Volkshochschul-Verband, der an diesem Samstag in Eisenach an dem Sommerfest teilnahm.

Alexandra Husemeyer, Samah Beidak, Ralf-Uwe Beck sowie die Oberbürgermeisterin der Stadt Eisenach, Katja Wolf (v.l.n.r.).

Abwechslungsreiches Programm

Es sollte ein Fest für alle sein, auch für die Kleinen. Deshalb gab es einen Kreativworkshop für die Kinder. Mit Linoldruck gestalteten sie T-Shirts zum Thema Freiheit. Was die Großen dazu zu sagen hatten, kam bei einer Podiumsdiskussion zur Sprache. Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf, Ralf-Uwe Beck, Bürgerrechtler und Sprecher des Vereins „Mehr Demokratie“, und die syrische Fotografin Samah Talal Baidah tauschten sich über 30 Jahre Mauerfall in Deutschland aus und sprachen darüber, was Freiheit für sie bedeutet.

Spannend wurde es beim internationalen Grillduell: Brutzel-Meister aus acht Nationen maßen ihr Können vor einer Jury, die aus drei Jugendlichen, vhs-Leiter Martin Scholz sowie Dr. Hans-Joachim Hook, dem damaligen Direktor des Steigenberger Hotels Thüringer Hof in Eisenach, bestand. Im Rennen waren Wettbewerber*innen aus Bulgarien, Syrien, den USA, Thailand, Deutschland, Spanien, Somalia und Russland. Die Oberbürgermeisterin Katja Wolf brillierte mit vegetarischer Kost. Den Sieg errangen allerdings Vertreter*innen der spanischen Minderheit der Katalanen, die die Jury mit exzellenten Tapas überzeugten.

Während des Sommerfests bewertet die Jury des internationalen Grillwettbewerbs die kulinarischen Einreichungen.

Teilen macht Spaß!

So ein Wettbewerb macht natürlich hungrig. Beim gemeinsamen Abendessen konnten alle ihr Lieblingsgericht mitbringen: Salate, Brote, etwas zum Grillen – und alles war zum Teilen bestimmt. In dieser Disziplin waren alle Sieger*innen und jede*r konnte zeigen, was für großartige Speisen es in ihrem bzw. seinem Herkunftsland so gibt.

Im Anschluss kamen dann Jugendliche aus einem anderen  vhs-Projekt namens „Mauern überwinden” zu ihrem Auftritt: Sie führten das in einem Workshop der vhs und des Kunstvereins gemeinsam erarbeitete Theaterstück „Der erste Blick“ auf. In dem Stück geht es um die Begegnung eines Jugendlichen mit einem alten Mann und um folgende Frage: Wie kann es gelingen, persönliche Haltungen zu überwinden, die den eigenen Blick auf die Welt einengen? Die Zuschauer waren beeindruckt, wie professionell die jungen Leute die Aufführung auf die Bühne brachten.

Internationale Disco

Das DJ-Team leistete anschließend ganze Arbeit: Hier waren es die jungen Menschen aus Eritrea, die sich besonders engagierten. „Sie sind sehr musikaffin und hatten sich schon immer gewünscht, eine Disco mit ihrer Musik zu organisieren“, erinnert sich Alexandra Husemeyer. Die jungen Eritreer*innen, wie auch die Jugendlichen der anderen Nationalitäten, konnten am Abend ihre Musik präsentieren: von deutschen Songs über arabischen Pop und Balkan Beats bis hin zu lateinamerikanischem Salsa und internationalem Elektro. So war das Fest dann tatsächlich bunt, vielfältig und vor allem schön.

„Mit diesem Sommerfest haben die Jugendlichen einen großen Beitrag zum Zusammenhalt in Eisenach geleistet“, resümiert Martin Händeler am Ende der Veranstaltung. „Gemeinsam zu essen und zu feiern, ist ein guter Weg, um sich gegenseitig kennenzulernen und Vorurteile und Berührungsängste abzubauen.“

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Lars Gebauer
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