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Deutscher Volkshochschul-Verband

Weiterbildung für Europa

Zur Europawahl 2019 formuliert der Deutsche Volkshochschul-Verband einen Katalog mit weiterbildungspolitischen Forderungen.

Europa steht vor großen gesellschaftspolitischen, ökonomischen und technologischen Herausforderungen, deren Bewältigung nur mit mündigen, demokratisch gesinnten Bürger*innen gelingen kann. Europa muss die Potentiale der Erwachsenenbildung nutzen – für europäischen Zusammenhalt, für eine nachhaltige Entwicklung und für die persönliche Entfaltung jedes Einzelnen.

Insbesondere in den folgenden Themenfeldern sieht der Deutsche Volkshochschul-Verband e.V. (DVV) Handlungsbedarf:

Europäischer Zusammenhalt

Wachsende nationalistische und anti-europäische Tendenzen und die Gefahren zunehmender gesellschaftlicher Spaltungen stellen nicht nur den sozialen Zusammenhalt innerhalb einzelner EU-Staaten, sondern auch die gesamteuropäische Solidarität auf den Prüfstand. Europäischer Zusammenhalt muss gestärkt und nachhaltig gepflegt werden. Erwachsenenbildung kann durch bürgernahe Angebote und Begegnungsformate wesentlich dazu beitragen:

  • In Angeboten der politischen und kulturellen Erwachsenenbildung steckt großes Potential für die Vermittlung von Wissen zu europäischer Politik, die Förderung interkultureller Kompetenzen und aktiven bürgerschaftlichen Engagements. Bisher fördert die EU-Kommission solche Kompetenzen jedoch hauptsächlich – zum Teil sogar ausschließlich – im Jugendbereich. Erfolgreiche Konzepte und Formate der Erwachsenenbildung, wie in Deutschland z.B. die Bürgerdialoge der Volkshochschulen, müssen ausgebaut und auf europäischer Ebene gefördert werden.
  • Die Bürgerbegegnung in Europa leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung gemeinsamer Werte und zur Stärkung des europäischen Bewusstseins. Während es für junge Menschen zahlreiche Austauschmöglichkeiten innerhalb Europas gibt, ist auch dieses Angebot für Erwachsene zu gering. Um die Verständigung aller Menschen innerhalb Europas zu fördern, müssen grenzüberschreitende Begegnungen auch für Erwachsene ermöglicht werden. Lernmobilitäten, wie sie im Rahmen des Programms Erasmus+ gefördert werden, sollten nicht nur für in der Erwachsenenbildung tätige Personen, sondern auch für erwachsene Teilnehmer*innen an Weiterbildungsmaßnahmen offen sein.

Digitalisierung

Der digitale Wandel stellt uns vor eine der größten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte. Obwohl digitale Kompetenzen unbestreitbar zu einem entscheidenden Faktor für gesellschaftliche Teilhabe geworden sind, verfügen 44% der Bevölkerung der Union über nur geringe oder keine (19%) digitalen Kompetenzen (Europäische Kommission, Fortschrittsanzeiger 2017 für die Digitale Agenda). Menschen müssen dabei nicht nur mit digitalen Produkten und Funktionalitäten zurechtkommen und ihre Informations- und Lerntechniken kontinuierlich erweitern, sondern auch ihre Analysefähigkeiten schärfen, um Informationen und Sicherheitsrisiken beurteilen zu können.

  • Maßnahmen wie der „Digital Education Action Plan“ oder die „Koalition für digitale Kompetenzen und Arbeitsplätze“ der Kommission beziehen sich in der Umsetzung jedoch vornehmlich auf allgemeine und berufsbildende Schulen sowie die Hochschulbildung. Digitale Bildung betrifft aber alle Menschen – lebenslang. Um Europa fit zu machen für die digitale Transformation, bedarf es einer umfassenden digitalen Weiterbildungsoffensive in allen Mitgliedsstaaten. Dabei müssen sowohl die Qualifizierung von Lehrenden in der Erwachsenenbildung wie auch die technische Infrastruktur in Weiterbildungseinrichtungen gefördert werden.
  • Der digitalen Spaltung muss entgegengewirkt werden. Dafür müssen insbesondere auch Ältere, arbeitssuchende Menschen und Berufsrückkehrer*innen mit Angeboten der Erwachsenenbildung erreicht werden. Um diese Menschen zu gewinnen, bedarf es spezieller Programme, bei denen die zielgruppengerechte Entwicklung und Durchführung von innovativen Lernangeboten im Fokus stehen.

Integration

Europa muss Millionen von Zuwanderern integrieren – Zugang zu Sprachlern- und Grundbildungsangeboten sind wichtige Voraussetzungen für ihre soziale und berufliche Integration.

  • Insbesondere landessprachliche Fähigkeiten gelten als Schlüssel für eine gelingende Integration. Dennoch gibt es bei Sprachlernangeboten für Migrant*innen zwischen den EU-Mitgliedstaaten große Unterschiede. Um für Zugewanderte EU-weit vergleichbare Voraussetzungen zur sprachlichen Integration zu schaffen, bedarf es eines gemeinsamen Rahmens für ein Integrationskurssystem (z.B. Anzahl der Unterrichtsstunden).
  • Zugleich muss Integration ganzheitlich verstanden und angegangen werden. Eine schnelle sprachliche Förderung und die baldige Eingliederung in den Arbeitsmarkt sind wesentliche Eckpfeiler der Integration. Sie werden aber nicht ausreichen für die langfristige Aufnahme qualifizierter Arbeit und für die aktive Partizipation am gesellschaftlichen Leben in Deutschland. Daher müssen Migrant*innen Zugang zu Grundbildungsangeboten in der politischen, kulturellen, gesundheitlichen und medialen Bildung sowie zum Nachholen von Schulabschlüssen erhalten.
  • Zugewanderte müssen unabhängig von Aufenthaltsstatus und Bleibeperspektive Zugang zu Bildung erhalten. Nicht zuletzt kann dies auch im Falle ihrer Rückkehr in die Heimat zur Verbesserung ihrer beruflichen Perspektiven beitragen.

Bildung für Nachhaltige Entwicklung

Europa hat längst erkannt, dass ein umfassender gesellschaftlicher Wandel für nachhaltige Entwicklung dringend erforderlich ist. Die damit verbundenen gesellschaftlichen Aufgaben können nur durch eine aktive Teilhabe der Zivilgesellschaft an den notwendigen Veränderungsprozessen gelingen. Erwachsenenbildung kann durch umfangreiche Informationsangebote für Bürger*innen und die Initiierung partizipativer Formate erheblich dazu beitragen, die Vision eines nachhaltigen Europas umzusetzen.

  • Die angekündigte neue EU-Nachhaltigkeitsstrategie zur Umsetzung der UN-Agenda 2030 darf die Potentiale der Weiterbildung bei der Förderung von Nachhaltigkeit nicht außer Acht lassen. Um möglichst viele Bürger*innen zu erreichen, um Verhaltensänderungen anzuregen und Menschen mit den notwendigen Gestaltungs- und Handlungskompetenzen auszustatten, muss Erwachsenen- und Weiterbildung ein zentraler Baustein der EU-Nachhaltigkeitsstrategie werden.

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