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Deutscher Volkshochschul-Verband

In Offenheit zum Streit bereit

Dr. Ernst Dieter Rossmann, Vorsitzender des Deutschen Volkshochschul-Verbandes, über die Offenheit als grundlegendes Prinzip der Volkshochschulen und über die Notwendigkeit der Auseinandersetzung.

„Offenheit ist Prinzip und Merkmal der Volkshochschularbeit. Volkshochschulen sind offen für Menschen aller sozialen Schichten und Einkommensgruppen, aller Milieus und Kulturen, für Menschen mit und ohne Behinderungen. Sie sind offen für Menschen mit unterschiedlichen und gegensätzlichen Auffassungen.“

So steht es in unserer Standortbestimmung, die wir vor acht Jahren auf einer Mitgliederversammlung des DVV einstimmig beschlossen haben. Wir bekräftigen damit eine der wichtigsten Gründungsideen von Volkshochschule überhaupt, nämlich die vorurteilsfreie Offenheit für alle Menschen.
Gleichzeitig gibt es gute Gründe für die Volkshochschulen, dieses Grundverständnis von Offenheit selbstkritisch zu befragen und dann auch neu justiert offensiv nach innen wie nach außen zu vertreten.

Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und andere Formen gruppenbezogener Diskriminierung nehmen zu. Volkshochschulen sehen sich bei Teilnehmenden und im Einzelfall bei Mitarbeitenden mit der Ablehnung von demokratischen und humanistischen Werten konfrontiert. Dogmatisch verschlossene Weltbilder und Wissenschaftsfeindlichkeit drohen in die Volkshochschulen hinein zu wirken, je mehr diese sich als reine Dienstleister für eng umrissene Lernfunktionen und Qualifizierungen verstehen und so auch wahrgenommen werden. Hiergegen möchte ich vier Prinzipien und Aufforderungen zum Handeln in den Volkshochschulen zur Diskussion stellen.

1. Ganzheitlichkeit im Bildungsanspruch und positive Politisierung

Volkshochschulen sind Bildungseinrichtungen mit einem umfassenden Anspruch der Persönlichkeitsbildung. Sie nehmen den Menschen ganzheitlich wahr und setzen sich mit ihren Teilnehmenden politisch auseinander.

2. Klarheit im Leitbild und öffentliches Bekenntnis zu Werten

Die Volkshochschulen stehen als Institution für ein positives Bekenntnis zu den humanistischen Werten unserer Verfassung und zur Demokratie. Ihre Leitungskräfte treten hierfür selbstbewusst und wahrnehmbar in der Öffentlichkeit ein.

3. Offensive Ansprache von Missständen und Bereitschaft zum Streit und zum konsequenten Handeln

In den Volkshochschulen wird bei Diskriminierung, bei Populismus und Extremismus nicht weggeschaut, sondern das Gespräch bis hin zum Streit gesucht. Das schließt das konsequente Ziehen von Grenzen bis hin zum Ausschluss mit ein, gegenüber Mitarbeitenden und auch gegenüber Teilnehmenden.

4. Anstand im Diskurs und Kritikfähigkeit im Prozess

Die Volkshochschulen nehmen sich in die Pflicht, jeden noch so kleinen Anknüpfungspunkt für eine rationale und offene Auseinandersetzung mit Beharrlichkeit aufzunehmen und zu verfolgen, solange die Kritikfähigkeit gegenüber eigenen Positionen im Prozess wächst.

Kontroversen und Spannungen in diesem Prozess dürfen Volkshochschulen nicht scheuen, ist es doch die fehlende Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und Positionen, die unseren sozialen Zusammenhalt gefährdet, nicht die konstruktiv geführte Debatte.

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