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Deutscher Volkshochschul-Verband

Die Volkshochschule 2030: zusammen in Vielfalt. nachhaltig. vernetzt. 

Ein Arbeitsprogramm für die Zukunft der Volkshochschulen 

Von Martin Rabanus, Vorsitzender des Deutschen Volkshochschul-Verbandes.

Ein hartes Jahr neigt sich dem Ende zu – ein Jahr im Zeichen der Corona-Pandemie und einer weltweiten Krise, wie sie niemand der heute Lebenden aus eigener Erfahrung kennt. Diese verheerende Infektionswelle hat die Menschen, hat Gesellschaften, Staaten und Volkswirtschaften vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Die Volkshochschulen sind mittendrin im Geschehen: Auf das Äußerste gefordert, die gegenwärtige Krise zu überstehen – den Weiterbildungsbetrieb in verantwortungsvoller Weise aufrecht zu erhalten, neue Formen des digitalen Lernens zu erproben und gleichzeitig die vielerorts dramatischen finanziellen Einbußen zu verkraften. 

Krisenmanagement bestimmt das Ausnahmejahr 2020 

Auch auf die Verbandsarbeit wirkte sich die Pandemie in erheblicher Weise aus. Erst im Dezember 2019 hatte der Mitgliederrat das neue Arbeitsprogramm des Verbandes beschlossen. Vier thematische Herausforderungen sollten als gemeinschaftliche Aufgabe von DVV, Landesverbänden und Volkshochschulen angegangen werden: 

  • Zusammenleben und Zusammenhalten in einer vielfältigen Gesellschaft 
  • Weiterbildung für Nachhaltige Entwicklung 
  • Fortsetzung Erweiterte Lernwelten 
  • vhs2030 

Die Notwendigkeit eines entschlossenen Corona- Krisenmanagements führte dazu, dass 2020 Teile des Arbeitsprogramms – wie die Themen „Nachhaltigkeit“ oder „Zusammenhalt in Vielfalt“ – vorerst zurückgestellt werden mussten. Demgegenüber gewann das Thema „Digitalisierung“ sogar noch an Bedeutung und Dringlichkeit. Entsprechend galt es, Prioritäten neu zu setzen und strategisch relevante Themen neu miteinander zu verknüpfen. 

Eine Gesamtstrategie für die „Volkshochschule 2030“ 

Auch in früheren Wahlperioden wurden die auf vier Jahre angelegten Arbeitsprogramme als dynamische Projekte verstanden, deren Umsetzung in regelmäßigen Abständen überprüft und angepasst wurde. Nicht zuletzt, weil sie veränderlichen gesellschaftlichen Bedingungen unterliegen und die zur Verfügung stehenden Ressourcen immer wieder neu verhandelt werden müssen. Die Corona-Krise zeigt zudem, dass es zu kurzfristigen Verschiebungen von Prioritäten und dem Entstehen von Querbezügen strategisch relevanter Themen kommen kann. 

Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, wurde das Arbeitsprogramm des Verbandes im Sinne einer Matrixstruktur weiterentwickelt. Unter dem Titel „Die Volkshochschule 2030: zusammen in Vielfalt. nachhaltig. vernetzt.“ ermöglicht die neue Struktur nun eine zusammenhängende Betrachtung der inhaltlichen Schwerpunkte. Sie setzt diese in Beziehung zu den strategischen Handlungsfeldern Programmangebot, Organisationsentwicklung und Partnerschaften/ Netzwerke. 


Die Überzeugung, dass die erfolgreiche Digitalisierung eine vernetzte und gesamtverbandliche Betrachtung braucht, war zuvor schon im „Manifest zur digitalen Transformation von Volkshochschulen“ verankert. Mit der neuen Matrixstruktur wird der dort formulierte transformative Ansatz nun auf zusätzliche Zukunftsthemen erweitert. 

Und auch an anderer Stelle finden sich Schnittmengen zum „digitalen Manifest“: Mit dem vhs.lab schafft die Arbeitsprogramm-Matrix einen kreativen Raum, in dem Zukunftsszenarien der vhs-Welt entwickelt und diskutiert werden können – ganz im Sinne der geforderten „vernetzten vhs-Community“. Die Themensetzung kann dabei – im Sinne größtmöglicher Innovation – auch außerhalb der Matrix des Arbeitsprogramms erfolgen.

Ein gemeinsamer Handlungsrahmen für alle Volkshochschulen 

Die Überarbeitung des Arbeitsprogramms wurde von der Überzeugung geleitet, die verschiedenen Arbeitsfelder zwingend als Teile einer Gesamtstrategie zu betrachten. Ziel dieser Gesamtstrategie ist der Zukunftsentwurf „Volkshochschule 2030“. Auch wenn das Engagement in einzelnen Feldern immer wieder den aktuellen Entwicklungen angepasst werden muss, soll das übergeordnete Ziel nicht aus dem Blickfeld geraten. 

Als strategisches Modell ist die Matrix auch innerhalb von Landesverbänden, Volkshochschulen und sogar in einzelnen Fachbereichen und Team der vhs anwendbar. Auf verschiedenen administrativen Ebenen können so gemeinsam Ziele verfolgt werden, die gesellschaftlich und für die Volkshochschulen selbst von hoher Relevanz sind. Um die Anwendung der Matrix zu fördern und damit die Organisations- und Verbandsentwicklung als Ganzes voranzubringen, entwickelt der DVV Begleitmaterialien. Damit sollen die Volkshochschulen vor Ort bei der Bestimmung und Umsetzung lokaler Ziele unterstützt werden. 

Herausforderungen der Zukunft mit Weitsicht begegnen 

Trotz der kurzfristigen Fokusverschiebungen in der Akutphase einer gesellschaftlichen Ausnahmesituation haben uns die letzten Monate gezeigt, dass wir bei der Wahl unserer Schwerpunkte Weitsicht bewiesen haben. Denn auch in Zukunft 

  • geht es um gesellschaftlichen Zusammenhalt – erst recht in der gemeinsamen Bewältigung einer globalen Krise und in Anbetracht wachsender Polarisierung. 
  • ringen wir um die Anerkennung der gesellschaftlichen Vielfalt. Wir als Volkshochschulen wissen aus der alltäglichen Praxis, wie viel Potenzial gerade in Krisen sichtbar wird, wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Kulturen auf Augenhöhe miteinander in Austausch treten. 
  • setzen wir auf Nachhaltigkeit. Wir brauchen stabile, zukunftsfähige Strukturen, damit sich unser Gemeinwesen auf allen Ebenen als krisenfest erweist. 
  • brauchen wir die (digitale) Vernetzung, damit der Dialog im Kleinen wie im Großen nicht abreißt. Damit wir trotz Abstandsgebot im regen Austausch bleiben, brauchen wir den Ausbau der digitalen Infrastruktur und eine breit angelegte Bildungsoffensive für einen souveränen Umgang mit digitaler Technologie. 

Wir laden alle Volkshochschulen ein, sich gemeinsam mit ihren Verbänden sowohl den inhaltlichen als auch den notwendigen mittelfristigen organisatorischen Herausforderungen zu stellen. Nur so können wir gemeinsam eine Vision für die Zukunft der Volkshochschulen entwerfen. Mit der Neukonzeption des Arbeitsprogrammes hat der DVV-Vorstand dafür eine leicht adaptierbare, strategische Grundlage geschaffen! 

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