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27.01.2026

Diskret aber stark gegen Einsamkeit

Volkshochschulen unterstützen Vorhaben der Bundesregierung

Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend in der Berliner Glinkastraße verfolgt eine Strategie gegen Einsamkeit. Denn Einsamkeit wartet direkt vor der Tür, überall in Deutschland und gerade in Berlin, mit seinen vielen Pendler*innen und den zahlreichen neu Zugewanderten, die noch niemanden kennen. Dem weit über dem Landesdurchschnitt liegenden Anteil der Single-Haushalte, den vormals gepflegten Nachbarschaften, die sich unter dem Druck horrender Mieten auflösen, den schrumpfenden Kirchengemeinden. In den angesagten und pulsierenden Vierteln ist Einsamkeit nicht nur schmerzvoll ─ man gewinnt auch leicht den Eindruck, sich dafür schämen zu müssen. Anders in den Neubaugebieten am Stadtrand, wo die Häuserzeilen viel schneller wachsen als das soziale Leben: Wer einsam ist, empfindet hier keinen so großen Kontrast zwischen Straßenbild und Seelenzustand. Trostvoll? Nicht wirklich.

Vhs hilft auf vielen Wegen

Pankow, der langgestreckte Bezirk im Nordosten Berlins, hat beides: den Prenzlauer Berg mit seinen Ausgehmeilen und die neuen Wohnsiedlungen an der Grenze zwischen Berlin und dem Land Brandenburg. Pankow ist mit über 427.000 Einwohner*innen der bevölkerungsreichste Bezirk der Hauptstadt. Der Anteil Jugendlicher – eine Altersgruppe, in der Einsamkeit besonders oft vorkommt ─ ist im Berliner Vergleich hoch. Der Anteil der Menschen über 65 ist zwar verhältnismäßig gering, beläuft sich aber in absoluten Zahlen auf über rund 63.000 ─ noch eine Bevölkerungsgruppe mit hohem Risiko für Einsamkeit.

Diana Stuckatz von der vhs Pankow (Öffnet in einem neuen Tab) begrüßt es, dass das Thema Einsamkeit aktuell weit oben auf der politischen Agenda steht. „Volkshochschulen“, so die langjährige Programmbereichsleiterin, „seien besonders geeignet, Einsamkeit entgegenzuwirken. Viele sagen nicht gerne, dass sie einsam sind“, beobachtet Stuckatz. In der Volkshochschule sei niemand dazu gezwungen: Wer sich allein fühle und dagegen etwas unternehmen wolle, könne aus einem breiten Angebot Veranstaltungen auswählen, die erst einmal gar nichts mit diesem Thema zu tun hätten. Und die Teilnehmer*innen könnten immer damit rechnen, im Kurs Personen mit ähnlichen Leidenschaften kennen zu lernen. Auch über persönliche Interessen wie Malen oder Fotografieren komme man miteinander in Kontakt. Volkshochschulen böten aber ebenso Veranstaltungen für diejenigen an, die offen über Einsamkeit sprechen wollen.

Blick in den Steinmetzhof in Berlin-Weißensee, ein Gewerbehof mit Künstler-, Bildhauer- und Designateliers, in dem auch vhs-Angebote stattfinden.

„Lernräume, die gepflegt und geachtet werden“

Um Menschen, die sich einsam fühlen, helfen zu können, muss die vhs Pankow die potenziellen Teilnehmer*innen in dem großen Stadtbezirk allerdings erst einmal erreichen. Alle ihre drei Hauptstandorte liegen im Süden des Bezirks. Theresa Meyer, Programmbereichsleiterin für Kunst und Kreativität, weiß jedoch, dass sie ihre Kurse viel breiter streuen muss. Sie verlegt Veranstaltungen darum auch schon mal in Ateliers von Künstler*innen oder nutzt Räume von Partnereinrichtungen. In Berlins nördlichstem Ortsteil Buch zum Beispiel sind die Angebote der vhs zurzeit im Stadtteilzentrum untergebracht. Diana Stuckatz und Theresa Meyer freuen sich darüber, dass in Buch aber ein eigenes Bildungszentrum mit Platz für die vhs entsteht: „Das hat noch mehr Strahlkraft.“ Die Programmbereichsleiterinnen wünschen sich für diesen Ort der Bildung und Begegnung ausreichend Personal und großzügige Öffnungszeiten – gerade im Interesse von Menschen, die nicht nur Bildungsangebote suchen, sondern auch den sozialen Mehrwert gemeinsamen Lernens. „Natürlich haben wir ein reiches Online-Angebot“, erklärt Diana Stuckatz. „Aber um Einsamkeit zu bekämpfen, brauchen wir auch attraktive physische Lernräume, die gepflegt und geachtet werden.“

In psychischen Krisen gemeinsam lernen

Nicht alle, die in Pankow leben, begeben sich unbefangen unter andere Menschen. Wer eine schwere Krise durchmacht und mit psychischen Krankheiten kämpft, hat ein besonders hohes Einsamkeitsrisiko. Mit einem von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie geförderten Projekt unterstützt die vhs Pankow seit Jahresbeginn Patient*innen der psychiatrischen Klinik Weißensee dabei, innerer Isolation entgegenzuwirken. Patient*innen, Psycholog*innen und vhs-Mitarbeiter*innen erheben gemeinsam Bedürfnisse und planen passgenaue Lernangebote, die dann in der Einrichtung stattfinden. Die Kursleiter*innen werden dafür geschult. Das sei auch für die Arbeit der vhs insgesamt wertvoll, sagt Theresa Meyer: „Kursleiter*innen treffen im Unterrichtsalltag ja immer wieder einmal auf Menschen, die unter psychischer Belastung leiden. Und der Programmgestaltung gemeinsam mit den Teilnehmer*innen gehört sowieso die Zukunft.“

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Bildnachweise

  • Christine Polze-Frischkorn

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