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Deutscher Volkshochschul-Verband

„Permakultur – Zukunft gestalten lernen“- Interview mit Martina Roßbach von der vhs Mönchengladbach

An der vhs Mönchengladbach wurde in einem Workshop über den möglichen Beitrag der Permakultur zu einer nachhaltigen und regenerativen Zukunft informiert und sich dabei auf Erfahrungen über die Nutzung von Permakultur in Ländern des Südens bezogen. Ein Besuch im Bürgergarten zeigte konkrete Handlungsalternativen auf.

Frau Roßbach, Sie haben im Herbst 2020 die Veranstaltung „Permakultur – Zukunft gestalten lernen“ durchgeführt. Was genau ist Permakultur und warum ist es ein Thema für das Globale Lernen?

Der Begriff Permakultur hat viele Facetten. Ursprünglich entwickelt wurde er in den 70er Jahren vom Australier Bill Mollison und seinem Schüler David Holmgren. „Permanent (agri)culture“  also dauerhafte Landwirtschaft oder dauerhafte Kultur beschreibt ein Konzept für Landwirtschaft und Gartenbau, das darauf basiert, Ökosysteme und Kreisläufe in der Natur genau zu beobachten und nachzuahmen. Mittlerweile bezeichnet Permakultur eine Bewegung, die zukunftsfähige, ökonomisch und ökologisch stabile Systeme schafft, in denen Menschen, Tiere und Pflanzen sich gegenseitig unterstützen. Aufgrund dieser Interdependenzen ist Permakultur ein spannendes Thema für das Globale Lernen, denn das Konzept ist z. B. gerade in Afrika sehr verbreitet. Dort gibt es sogar Colleges, die nichts anders unterrichten.

Wie lässt sich am Beispiel der Permakultur der für das Globale Lernen zentrale Süd-Nord Zusammenhang verdeutlichen?

In der Permakultur geht es darum, systemisch zu denken. So wie in der Natur nichts für sich allein existiert, so wird auch in der Permakultur die Welt in ihrer Ganzheit betrachtet und die Wechselwirkungen von Systemelementen stehen bei der Betrachtung im Mittelpunkt. Beim Globalen Lernen ist es ähnlich. Wir versuchen zu verstehen und zu vermitteln, in wie weit unser Verhalten, Auswirkungen auf Länder des Südens haben und umgekehrt. Alles hängt mit allem zusammen. Das ist die zentrale Erkenntnis, die der Permakultur zugrunde liegt, und dem Globalen Lernen genauso. Indem die Wechselwirkung von Systemen immer besser verstanden wird, gelingt es auch Systeme zu entwickeln, die einander befähigen und unterstützen.

Als Kooperationspartner für die Veranstaltung hatten Sie den Verein „Stadt im Wandel e.V.“. Wie haben Sie diesen gefunden und warum war er für Ihr Vorhaben geeignet? 

Mit dem Verein Stadt im Wandel e.V. kooperieren wir schon seit vielen Jahren. Der Kontakt entstand im Rahmen einer Zukunftswerkstatt. Hier wurde die Idee geboren, einen Bürgergarten vor der vhs zu gründen, und diese Idee haben wir dann auch gemeinsam umgesetzt. Seither ist der interkulturelle Bürgergarten BergGartenOase fester Bestandteil unseres Programmangebots. Aufgrund der Erfahrung mit den vergangenen heißen Sommern entstand die Frage, wie der Bürgergarten zukunftsfähiger gestaltet und das Wassermanagement neu gedacht werden kann. Da Wassermanagement auch ein zentrales Thema des globalen Südens ist, lag der Gedanke nahe zu erfahren, was wir von den Erfahrungen dieser Länder lernen können.

Welche Tipps haben Sie an Kolleg*innen aus anderen vhs, die eine Veranstaltung zu diesem Themengebiet planen?

Gute Erfahrungen habe ich damit gemacht, Interesse, Offenheit und Dialogbereitschaft für die Interessen der Bürger*innen zu zeigen und bereits vorhandenes Engagement aufzunehmen und zu unterstützen. Bürgerschaftliches Engagement ist für mich ein ganz zentrales Thema für die Bereiche politische Bildung und Umweltbildung denn es ermöglicht niederschwellige politische Partizipation. Möglichkeiten gibt es dafür viele; ob es der Eine Welt Laden ist oder der Bund Naturschutz, die lokale Foodsharing Initiative oder eine Initiative für solidarische Landwirtschaft. Volkshochschulen haben viele Möglichkeiten, um engagierte und interessierte Bürger*innen zu unterstützen. Das fängt an, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen und endet mit der finanziellen Unterstützung für konkrete Projekte. Die Initiativen können in einer öffentlichen Institution zusammen kommen und interessierte Bürger*innen zu ihren Treffern einladen. So werden Initiativen in der Stadt sichtbar, finden weitere Mitglieder, vernetzen sich im Idealfall untereinander und können sich helfen und stützen.

Inwiefern ist globale Nachhaltigkeit auch über diese Veranstaltung hinaus Thema an Ihrer Volkshochschule?

Seit Jahren zeigen wir im Forum Umwelt und Forum Politik Filme rund um Themen der globalen Nachhaltigkeit. Initiativen zum Urbanen Gärtnern, Fairer Handel, Lebensmittelretter, die Initiative für gemeinschaftliche Wohnprojekte oder solidarische Landwirtschaft; alle sind fester Bestandteil unseres Programms. Vorträge zum Thema „Bioökonomie – Nachhaltiger Strukturwandel vor Ort“ oder Veranstaltungen wie Saatguttauschbörsen oder Netzwerktreffen der Initiativen finden regelmäßig bei uns statt. Vom Bildungsangebot im essbaren Wildpflanzenpark bis zum Vortrag über Alltagsrassismus in Deutschland ist eigentlich alles dabei.

Haben Sie bereits Ideen für weitere Veranstaltungen zum Themengebiet des Globalen Lernens?

Gerne würde ich die Nachhaltigkeitsziele der UN – die SDGs – weiter in den Vordergrund stellen, um eine Debatte über diese Ziele zu fördern. Auch die Gestaltung regionaler Wirtschaftskreisläufe mit Hilfe einer Einführung von Regionalgeld interessiert mich sehr. Ein Projektantrag hierfür liegt bereits in der Schublade. Vorstellbar wäre auch ein ergänzendes Projekt zum Thema Permakultur, diesmal vielleicht eher mit einem Schwerpunkt im direkten Dialog mit einem Projektpartner in Afrika.

Dreh- und Angelpunkt für ein nachhaltig gelingendes Projekt ist erfahrungsgemäß die Kooperation mit lokalen Initiativen. Daher warte ich momentan ab, welche Idee von dort an mich herangetragen wird.

Vielen Dank für das Interview! 

Martina Roßbach ist Programmbereichsleiterin für Gesundheit, Umwelt und Politische Bildung an der vhs Mönchengladbach

Weitere Praxisbeispiele

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

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