Selbstständige Lehrkräfte prägen die vhs. Zum Beispiel Social Media-Experte Tom Noeding, fest angestellt in Vollzeit bei einer Agentur, Kursleiter an der Volkshochschule Frankfurt am Main. Er war einmal Zeitsoldat bei der Bundeswehr, absolvierte dann eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann, arbeitete in den EDV-Abteilungen von Banken. „Ich kann mich in Leute hineindenken, die sich mit Neuem vertraut machen müssen“, sagt er. In seinen vhs-Kursen hilft ihm das ungemein.
Seine Arbeit in der Agentur würde Tom nie aufgeben, er liebt seinen Job und verdient sehr gut. Die Kombination eines Hauptberufs mit der selbstständigen Lehrtätigkeit an der vhs hingegen findet er ideal: Wissen weiterzugeben macht ihm Freude.
„Nebenberufliche vhs-Dozent*innen wie Tom Noeding bringen ständig frische Ideen und Expertise aus hoch innovativen Arbeitswelten mit“, sagt DVV-Verbandsdirektorin Julia von Westerholt. „Sie sorgen dafür, dass Weiterbildung aktuell bleibt.“
Damit das so bleibt, setzt sich der DVV dafür ein, dass die selbstständige Lehrtätigkeit an Volkshochschulen rechtlich abgesichert wird. Denn seit dem Herrenberg-Urteil ist sie gefährdet: Zahllosen Lehrkräften droht die Aberkennung des Selbstständigenstatus.
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) strebt eine Lösung an: Ein Gesetzentwurf aus dem Hause von Ministerin Bärbel Bas sieht die Einführung einer neuen Form der Selbstständigkeit vor. Nun hat der DVV gemeinsam mit 22 weiteren Bildungs- und Fachverbänden dazu Stellung bezogen. Den Reformwillen im BMAS begrüßen sie ausdrücklich. In dem vorliegenden Entwurf sehen sie jedoch keinerlei Verbesserungen für die vielen nebenberuflich tätigen Lehrkräfte, die über ihren Hauptberuf sozial abgesichert sind: Auf nebenberufliche Tätigkeiten wende das Ministerium die gleichen Kriterien an wie auf hauptamtliche. Damit geht das Hauptargument des Ministeriums, dass die Schutzbedürftigkeit des Einzelnen im Vordergrund stünde, ins Leere.
Um eine praktikable Lösung herbeizuführen, unterbreiten die Verbände einen eigenen Vorschlag für die Freistellung nebenberuflicher selbstständiger Tätigkeit in geringem Umfang. Ziel sei es, die nebenberufliche Lehre zu erhalten, betont Julia von Westerholt: „Wir müssen die Wissensgesellschaft stärken. Darum: Schluss mit immer neuen bürokratischen Hürden für Dozent*innen und Bildungseinrichtungen!“