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Deutscher Volkshochschul-Verband

Ein Erste-Hilfe-Kurs als interkulturelle Begegnung

Für die Trainerin des Erste-Hilfe-Kurses des Deutschen Roten Kreuzes in Mannheim ist dieser Kurs eine echte interkulturelle Erfahrung. Vor ihr im Raum der  Mannheimer Abendakademie und Volkshochschule sitzen zehn junge Männer aus Nigeria. Sie nehmen an dem Lernangebot der Abendakademie für rückkehrinteressierte Geflüchtete teil, das im Rahmen des DVV-Projekts „Bildungsbrücken bauen“ angeboten wird. Mareike Breitschuh, Coach und Dozentin für den Kurs, übersetzt für die Teilnehmer die Anweisungen der Rot-Kreuz-Trainerin auf Englisch. Es ist für alle eine neue Erfahrung – die sie aber gut meistern.

Die Teilnehmer sind sehr aufgeschlossen und fleißig. Viele der Nigerianer wünschen sich eine berufliche Zukunft in einem Pflegeberuf. Aus diesem Grund hat Monika Simikin, die Projektverantwortliche der Mannheimer Abendakademie, einen Erste-Hilfe-Kurs organisiert. Die Kosten werden aus Projektmitteln getragen. Die jungen Männer sind interessiert und mit Spaß dabei. Zwischendurch machen sie Fotos und Videos mit ihren Handys – so können sie sich später noch einmal die praktischen Übungen wie stabile Seitenlage oder die Herzdruckmassage an der Übungspuppe anschauen.

Bedarfsorientierung und Evaluation stehen an erster Stelle

Frau Simikin hat bei der Planung und Umsetzung des Lernangebots mehrere verschiedene Ansätze verfolgt. Bedarfsorientierung und eine ständige Evaluation und Anpassung der Kurse stehen bei ihr an erster Stelle. So starteten sie zum Beispiel zu Projektbeginn mit einer reinen Frauenmaßnahme. Eine Frauengruppe aus den Balkanländern, vorwiegend Kosovo, wünschte sich ein Angebot im Bereich Beauty und Hochzeitsvorbereitungen. Hier sahen sie für sich Berufschancen bei einer möglichen Rückkehr ins Herkunftsland. Aufgrund von Unterkunftsschließungen und Gerüchten, dass die Frauen nach der Teilnahme am Kurs abgeschoben werden würden, konnte dieses Angebot jedoch nicht umgesetzt werden. Auch beobachtete die Projektkoordinatorin, dass viele der Frauen stark in ihrem Umfeld verankert sind. Da sind die Kinder, Termine müssen wahrgenommen werden, auch gibt es eine hohe Fluktuation. „Das Selbstverständnis der Frauen ist oft anders als bei uns, es braucht vielleicht noch eine Generation bis sie eine neue Rolle für sich selbst definieren. Die Frauen in unseren Kursen hatten nicht das Gefühl, dass sie etwas in der Welt verändern können. Die Männer erleben hier eine ganz andere Wirksamkeit und verspüren einen anderen Erfolg“, erklärt Monika Simikin.

Daher haben sie sich nun auf die Arbeit mit männlichen Teilnehmern konzentriert. Das Format von praktischen Inhalten, wie zum Beispiel Erste Hilfe, und einem Fokus auf der Persönlichkeitsentwicklung und Stärkung der eigenen Wirksamkeit durch die Arbeit mit dem Stärkenatlas, den Frau Simikin mit entwickelt hat, kommt gut an. Die Teilnehmenden halten sich gerne in den EDV-Räumen auf, dort können sie Rechercheprojekte zu ihren Herkunftsländern angehen oder Lebensläufe schreiben. Über die Landeskunde ist es möglich, einen sensiblen und unaufdringlichen Zugang zu dem Thema Rückkehr, Reintegration und den Situationen in den Herkunftsländern zu schaffen.

Mannheimer Abendakademie und Sparkassenstiftung für internationale Kooperation bieten erstmalig ein gemeinsames Angebot für rückkehrinteressierte Geflüchtete an

Eine Besonderheit stellt das gemeinsame Angebot der Mannheimer Abendakademie und der Sparkassenstiftung – zwei von der GIZ im Auftrag des BMZ geförderte Träger reintegrationsvorbereitender Maßnahmen in Deutschland – dar. Das Bildungsangebot der Abendakademie wird durch das „Planspiel: ein Unternehmen führen“ der Sparkassenstiftung ergänzt. Ein Trainer der Stiftung vermittelt vor Ort in der Mannheimer Abendakademie den Teilnehmenden spielerisch Basis-Wissen in Betriebswirtschaft mit praxisnahen Übungen. Ziel der Kooperation ist es, eine Vernetzung der Träger und die gegenseitige Ergänzung der jeweiligen Maßnahmen zu erzielen. So kann den Teilnehmenden ein abgerundetes Angebot präsentiert werden, das sie auf einen potentiellen Neubeginn in ihren Herkunftsländern vorbereitet.

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