Jugendbeteiligung und eine aktive Einbindung junger Menschen im Bildungskontext – diesen Fokus setzt der diesjährige Internationale Tag der Bildung der UNESCO (Öffnet in einem neuen Tab). Die Idee, dass Jugendliche und junge Erwachsene ihre Lebenswelt und für sie relevante Bildungsbereiche, aber auch Gesellschaft und Politik mitgestalten können und sollen, inspiriert auch Projekte der Politischen Jugendbildung an Volkshochschulen.
Praxisbeispiel vhs Leipzig: Deutsche Geschichte greifbar machen
Wie junge Menschen ganz konkret an Bildungsangeboten mitwirken können, zeigt ein Beispiel aus Leipzig: Unter dem Titel „Im Angesicht der Freiheit“ (Öffnet in einem neuen Tab) begaben sich Schüler*innen der 6. und 7. Klasse während einer fünftägigen Projektwoche, die von der vhs Leipzig veranstaltet wurde, auf eine kreative Zeitreise durch Geschichte, Gesellschaft und eigene Identität. Nach einer interaktiven Einführung in die DDR-Geschichte wählten sie in einer Gruppenphase einen kreativen Schwerpunkt und entwickelten unter fachkundiger Begleitung eigene künstlerische Werke. Ob Legetrickfilm, Fotoausstellung oder Theaterstück – durch die individuelle Präsentation machten die Jugendlichen ihre eigene Sicht auf historische Ereignisse und ihr Verständnis von Freiheit greifbar.
Die Jugendlichen führten Interviews, recherchierten historische Quellen und setzten diese in Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt. So lernten sie, Geschichte kritisch zu hinterfragen, eigene Perspektiven zu entwickeln und sie in künstlerische Formen zu übersetzen.
Das Projekt aus Leipzig, das aus Mitteln des Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert wurde, ist nur eines von vielen gelungenen Beispielen, wie im Rahmen politischer Jugendbildung an Volkshochschulen Partizipation, Selbstwirksamkeit sowie die aktive Mitgestaltung von Bildungsinhalten durch junge Menschen gestärkt werden.
Volkshochschulen aus dem Raum Weimar: Ferienfreizeit an geschichtsträchtigen Orten
Auch das Gemeinschaftsprojekt „Spurensuche auf Schloss Schwarzburg“ (Öffnet in einem neuen Tab) (an dem sich vier Volkshochschulen aus dem Raum Weimar beteiligten) veranschaulicht auf eindrückliche Weise, wie gelebte Partizipation und historisch-politische Bildung mit jungen Menschen an einem außerschulischen Lernort gelingen kann. Die Anlage Schloss Schwarzburg, eine wieder zugänglich gemachte Bauruine am Rande des thüringischen Schwarzatals, ist mit ihren sichtbar gelassenen Überresten der verschiedenen Zeitschichten prädestiniert dafür. Unweigerlich stellt sich die Frage: Was ist hier geschehen? Diesen zum Nachforschen einladenden Ort machte sich die Ferienfreizeit der Weimarer Volkshochschulen zunutze, um Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren über eine interaktive „Spuren- und Zeitenlese“ an Themen der Demokratie- und Diktaturgeschichte heranzuführen. Dabei wurden die individuellen Wünsche und Bedürfnisse der Teilnehmenden immer wieder neu in die Programmgestaltung mit einbezogen. Darüber hinaus halfen Peer-Teamer*innen – Jugendliche, die innerhalb der Gruppe besondere Verantwortung übernahmen –, die Lernzugänge niedrigschwellig zu halten. Ein Konzept, das auch jüngeren Teilnehmenden Mut machte und ihnen zeigte, dass auch sie in Zukunft mitentscheiden und solche Rollen übernehmen können.
Beteiligungsmöglichkeiten junger Menschen auch 2026 Förderschwerpunkt
Empowerment und die Fähigkeit, sowohl Bildungsangebote als auch Gesellschaft und Politik mitzugestalten, sind zentrale Ziele der Politischen Jugendbildung. Diese Leitideen stehen im Fokus aller vhs-Projekte, die die Zentralstelle für Politische Jugendbildung im DVV mithilfe einer KJP-Förderung unterstützt. 2026 geht es bei der Projektförderung noch gezielter darum, Zukunftsvisionen junger Menschen Raum zu geben. Unter dem Motto „Junge Perspektiven auf das Morgen“ sollen im Jahresverlauf an unterschiedlichen Volkshochschulen Projekte stattfinden, die Jugendlichen Selbstwirksamkeitserfahrungen ermöglichen, ihre Stimmen hörbar machen und ihnen Beteiligungsmöglichkeiten aufzuzeigen ─ zum Beispiel in der Kommunalpolitik.