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26.05.2026

KI: Zivilgesellschaft muss sich vernetzen

DVV und 19 andere Organisationen beschreiben Fortschritte und Mängel bei KI-Kompetenz

Das Rad, der Buchdruck, die KI: Wer Erfolg haben will, muss die Revolution mitvollziehen. Alle wissen das, nicht nur in Unternehmen, sondern auch in gemeinwohlorientierten Organisationen. Wird die Einsicht auch gelebt?

Im Ansatz schon, stellen der DVV und 19 andere zivilgesellschaftliche Organisationen fest – aber mehr eben noch nicht. Eine Studie zur KI-Kompetenz im gemeinwohlorientierten Sektor (Öffnet in einem neuen Tab), an der diese 20 Partner mitgewirkt haben, wurde auf der republica vorgestellt. Sie zeigt Handlungsbedarf auf. 

Kreativer Wildwuchs, wenig System

Eigentlich hat die Zivilgesellschaft die Zeichen der Zeit erkannt, stellen die Expert*innen fest.  Kompetenzaufbau rund um KI hat längst begonnen. Kaum eine Organisation startet noch bei Null. Es gibt Schulungen, Arbeitsgruppen, Pilotprojekte, erste Leitlinien und viele engagierte Mitarbeitende, die sich neues Wissen aneignen. Aber vieles entsteht parallel, nebeneinander und ohne Verbindung zu anderen Akteuren. Erfahrungen bleiben in einzelnen Organisationen, Teams oder Projekten hängen. Was an einer Stelle funktioniert, wird selten übertragen oder dauerhaft verankert. Gerade kleinere Organisationen stoßen schnell an Grenzen: Ihnen fehlen oft Zeit, Geld oder Personal, um überhaupt erst einmal passende Fortbildungsangebote zu finden. Die Folge: Einerseits wird vielerorts gelernt und experimentiert, andererseits bleibt dieses Lernen isoliert und schwer skalierbar. Dabei existieren längst funktionierende Ansätze – von informellen Lerngruppen über Formate wie „KI & Coffee“ bis zu offenen KI-Werkstätten. 

Oft wird das Rad neu erfunden

Die entscheidenden Lernmomente entstehen dort, wo Organisationen konkrete Probleme lösen: bei der Einführung eines Tools, bei Datenschutzfragen oder bei der Suche nach sinnvollen Einsatzmöglichkeiten für KI. Genau hier sammelt sich praktisches Wissen an, das für andere enorm wertvoll wäre. Doch bleibt dieses Wissen in den Köpfen einzelner Mitarbeitender stecken, es wird kaum dokumentiert und selten geteilt. Deshalb bearbeiten viele Organisationen dieselben Fragen immer wieder neu: Welche Tools taugen etwas? Wie lässt sich Datenschutz praktikabel umsetzen? Wo bringt KI tatsächlich Entlastung? Umwege, die vermeidbar wären, stellen die Autor*innen der Studie fest. Die eigentliche Schwäche des Sektors ist deshalb nicht fehlendes Wissen, sondern die fehlende Weitergabe von Erfahrungen. Besonders hilfreich wären in der KI-Weiterbildung Formate, die nicht nur Erfolge präsentieren, sondern auch Umwege, Unsicherheiten und Fehler sichtbar machen. 

Gebraucht wird die digitale Kompetenzoffensive

Am größten ist der Nachholbedarf bei der strategischen KI-Kompetenz. Viele Organisationen lernen zwar den Umgang mit einzelnen Tools, behandeln KI aber weiterhin als operatives Thema. Verantwortung wird an IT-Abteilungen oder besonders engagierte Einzelpersonen delegiert, während eine übergreifende Strategie fehlt. Dabei wirft KI grundlegende Fragen auf: Wie verändern sich Arbeitsprozesse? Welche Aufgaben fallen weg, welche entstehen neu? Welche Ziele verfolgt die Organisation überhaupt mit KI? Hier geht es nicht allein um Technik, sondern auch um Führung, Kultur und Organisationsentwicklung. Entsprechend entstehen echte Fortschritte meist erst dann, wenn Entscheider*innen erkennen, dass KI mehr ist als ein neues Werkzeug. 

„Wirksame KI-Strategien gibt es nur dort, wo alle sie mittragen“, bestätigt DVV-Verbandsdirektorin Julia von Westerholt. Das gelte aber nicht nur für zivilgesellschaftliche Organisationen, sondern für die Gesellschaft schlechthin. Die Bundesregierung müsse Ernst machen mit der digitalen Kompetenzoffensive: „Die Volkshochschulen vermitteln jetzt schon zahllosen Menschen KI-Kenntnisse auf unterschiedlichsten Niveaus, die Kurse sind ständig ausgebucht. Mit Rückenwind aus dem Bund kann die vhs noch viel mehr tun.“ 

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