Noch etwas unbekannt ist die Nationale Präventionskonferenz (NPK). Dabei gibt es sie seit über 10 Jahren. Sie wurde 2015 mit dem Präventionsgesetz eingerichtet. Ihr gesetzlicher Auftrag nach § 20e SGB V besteht darin, eine nationale Präventionsstrategie zu entwickeln und fortzuschreiben.
Einmal im Jahr richtet die NPK eine Tagung aus ─ das Präventionsforum. Die Teilnehmenden kommen aus den für die Gesundheitsförderung und Prävention maßgeblichen Organisationen und Verbänden und sollen die NPK beraten.
Technostress – also Stress, der durch Belastungen der digitalen Arbeitswelt und in Zeiten von KI entsteht – war das Thema der Keynote von Prof. Dr. Daniel Thiemann (Technische Hochschule Köln). Das Thema resonierte mit den Teilnehmenden, jeder und jede im Raum hatte wohl schon einmal erlebt, dass die ständige Erreichbarkeit, Informationsflut und Multitasking, aber auch neue Updates, Apps und Programme zu Stress und Erschöpfung führen können. Dies zeigt sich auch in körperlichen Symptomen: erhöhte Cortisol-Produktion und Kopfschmerzen seien typisch. Studien zeigen auch, dass durch Technostress Arbeitszufriedenheit und Produktivität sinken, und emotionale Erschöpfung bis hin zum Burnout entstehen kann.
In acht Workshops widmeten sich die Teilnehmenden unterschiedlichen Aspekten psychischer Gesundheit in der Arbeitswelt. Im Mittelpunkt der meisten Workshops stand die Frage, welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, damit Gesundheitsförderung in Betrieben gelingen kann. Besonders eindrücklich war die Diskussion zur Gewaltprävention und zum Umgang mit Mobbing. Dort wurde auf eine gestiegene Gewaltbereitschaft hingewiesen und die Bedeutung klarer Meldewege für Übergriffe betont. In einer sogenannten „Stresskammer“ konnten psychische Belastungen und der Einfluss von Arbeitsbedingungen unmittelbar erfahrbar gemacht werden. Im Workshop zu Einsamkeit und Suizidprävention wurde hervorgehoben, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen häufig nicht über eigene psychotherapeutische Angebote verfügen. Gleichzeitig müsse der Nutzen präventiver Maßnahmen für Unternehmen deutlicher sichtbar werden. In mehreren Workshops wurde festgehalten, dass Unternehmen qualifizierte „Kümmerer“, d.h. Mitarbeiter*innen, die sich haupt- oder nebenamtlich der Gesundheitsförderung im Betrieb widmen, brauchen. Und außerdem regelmäßige Beschäftigtenbefragungen, um Bedarfe zu erkennen und ressourcenstärkende Ansätze wirksam umzusetzen.
Ein wiederkehrendes Thema – sowohl in den Workshops als auch in der abschließenden Fishbowl-Diskussion – war die Schwierigkeit, den „Return on Prevention“ nachzuweisen. Arbeitgeber wünschen sich häufig unmittelbar messbare Effekte, etwa sinkende Arbeitsunfähigkeitsquoten. Gleichzeitig wurde betont, dass die Wirkungen präventiver Maßnahmen oft nur mittel- und langfristig sichtbar werden. Kritisiert wurde von Teilnehmenden, dass Prävention auch in medizinisch-gesundheitlichen Ausbildungsberufen zu wenig Thema ist.
Dass wirkungsvolle Präventionsmaßnahmen im Bereich der Weiterbildung und als Bildungszeitangebote wahrgenommen werden, war auf der Konferenz kein Thema. Dies, obwohl es im aktuellen Präventionsbericht ein eigenes Unterkapitel zur Gesundheitsbildung an Volkshochschulen gibt. Auch in Gesprächen während der Pausen wurde deutlich: Sehr viele der Teilnehmenden haben bereits vhs-Kurse zur Gesundheitsförderung und Prävention belegt oder haben vor, dies bald (wieder) zu tun.
In der Fishbowl-Diskussion wurde die Forderung nach einer stärkeren Berücksichtigung gesundheitlicher Auswirkungen in politischen Entscheidungen formuliert.
Das nächste Forum der NPK wird am 6. Oktober 2027 im Hotel Aquino in Berlin stattfinden.
Die Nationale Präventionskonferenz ist eine gesetzlich verankerte Arbeitsgemeinschaft. Sie besteht aus Vertreter*innen von:
- gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen
- gesetzlichen Unfallversicherungen
- gesetzlichen Rentenversicherungen
- Unternehmen der privaten Kranken- und Pflege-Pflichtversicherung
- Bund und Länder (beratend)
- kommunalen Spitzenverbände auf Bundesebene
- Bundesagentur für Arbeit
- Spitzenorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer