Wie lässt sich die Wirkung des milliardenschweren Startchancen-Programms messen? Und welche Daten brauchen Schulen tatsächlich, um ihre Arbeit zu verbessern? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 200 Teilnehmende bei der Startchancen-Konferenz am 10. und 11. Juni in Berlin. Schnittstellen zwischen Schule und allgemeiner Weiterbildung waren nicht Thema. Doch legten die Konferenzbeiträge nahe, wie wichtig die schulischen Handlungsfelder sind, in denen sich Volkshochschulen zunehmend engagieren, vor allem die Elternbildung und der Offene Ganztag mit seinen Fördermöglichkeiten.
Die Leistungen von Schülerinnen und Schülern in Deutschland sind in den vergangenen 15 Jahren insbesondere in den Bereichen Mathematik und Lesen sowie bei den sozial-emotionale Kompetenzen zurückgegangen. Das Startchancen-Programm will mit Investitionen in die schulische Lernumgebung, mit datengestützter Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie zusätzlichem Personal diesen Trend für Schulen in herausfordernden Lagen umkehren. Immer wieder ging es um die Frage, wie Daten genutzt werden können, um Förderbedarfe frühzeitig zu erkennen und Bildungsübergänge erfolgreicher zu gestalten.
Bundesbildungsministerin Karin Prien warb in ihrer Eröffnungsrede für einen konsequenten Perspektivwechsel. Im Zentrum aller bildungspolitischen Entscheidungen müsse das Kind stehen. Ziel sei es, jedem Kind die Möglichkeit zu geben, sein Potenzial zu entfalten. Als Vorbild nannte sie Erfahrungen aus Kanada, wo Wohlbefinden („wellbeing“) und Zugehörigkeit („belonging“) als zentrale Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen gelten. Um Bildungsverläufe besser nachvollziehen und Fördermaßnahmen gezielter steuern zu können, sprach sich Prien zudem für die Einführung einer Bildungs-ID und eines Bildungsverlaufsregisters aus. Der Bund sei dafür bereit, nun müssten auch die Länder entsprechende Schritte gehen.
Einen realistischen Blick auf die Erwartungen an das Programm warf Kai Maaz, geschäftsführender Direktor des DIPF und Leiter des CHANCEN-Verbunds. Schulen könnten gesellschaftliche Probleme nicht allein lösen, betonte er. Das Startchancen-Programm werde daher keine schnellen Wunder bewirken. Langfristig könne es jedoch zu einer grundlegenden Veränderung des Bildungssystems beitragen.
Wie Volkshochschulen das Startchancen-Programm dabei unterstützen können, zeigt zum Beispiel das Projekt „Eltern stärken – Lernen fördern“ (Öffnet in einem neuen Tab), das vom Volkshochschulverband Baden-Württemberg initiiert wurde. Ziel ist es, insbesondere schwer erreichbare Eltern stärker in schulische Bildungsprozesse einzubeziehen und ihre Sicherheit im Umgang mit schulischen Anforderungen zu fördern.