Auf einer Veranstaltung in der NRW-Landesvertretung in Berlin hat das Netzwerk „Vielfalt ist Zukunft“ heute scharf den Zulassungsstopp zu Integrationskursen kritisiert, der seit dem 9. Februar 2026 rund 130.000 Menschen den Zugang zu Sprachförderung verwehrt. Der faktische Ausschluss ganzer Gruppen von diesen Kursen sei wirtschaftspolitisch kurzsichtig und widerspreche den langfristigen Interessen eines Einwanderungslandes wie Deutschland. Das Bündnis fordert deshalb eine sofortige Rücknahme des Zulassungsstopps und formuliert als Alternative zum Rückbau grundlegende Reformvorschläge für das Integrationskurssystems.
Positionspapier des Netzwerks "Vielfalt ist Zukunft"Sprachförderung ist keine optionale Leistung und kein migrationspolitisches Steuerungsinstrument, sondern wirtschaftliche Infrastruktur.
Widersprüchliche Politik: Beschäftigung wird eingefordert, Sprachförderung gestrichen
In dem Positionspapier kritisiert das Netzwerk die Prioritätensetzung der Bundesregierung als „schwer nachvollziehbar“, da sie im direkten Widerspruch zu ihren eigenen integrations- und arbeitsmarktpolitischen Zielen stehe. Einerseits werde mit dem Ansatz „sofort-in-Arbeit“ der schnelle Einstieg in den Arbeitsmarkt betont, andererseits werde genau die Sprachförderung gestrichen, die diese Integration erst möglich mache. Dadurch entstünde ein politischer Widerspruch: Denn während Beschäftigung eingefordert werde, um die Sozialkassen zu entlasten, tue man nichts dafür, die strukturellen Voraussetzungen dafür aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln. Dieser Widerspruch verschärfe sich noch durch die GEAS-Reform, die Asylsuchenden zwar nach drei Monaten den Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen soll, ihnen aber gleichzeitig die Sprachförderung vorenthalte, die Voraussetzung für den Zugang zum Arbeitsmarkt sei.
Als Gastgeberin in der NRW-Landesvertretung kritisierte auch die stellvertretende Ministerpräsidentin und NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Bündnis 90/Die Grünen) gemeinsam mit Vertreter*innen von IKEA, Generali und Randstad den Zulassungsstopp und betonte die zentrale Bedeutung von Sprache für gesellschaftliche Teilhabe und erfolgreiche Integration. Sprache sei der Schlüssel für Teilhabe – sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch im gesellschaftlichen Leben.
Kein Rückbau, sondern gezielte Reformen nötig
Zwar gibt das Netzwerk zu, dass es Schwächen im System gibt – etwa bei Übergängen, Zugängen oder der Passgenauigkeit für unterschiedliche Zielgruppen. Diese rechtfertigten jedoch „keinen massiven Rückbau, sondern verlangen gezielte Reformen, auch im Rahmen der Novellierung der Deutschsprachförderverordnung.“ Mit seinem Papier liefert das Bündnis daher Impulse für eine wirksame Weiterentwicklung der Sprachförderung.
Positionspapier des Netzwerks "Vielfalt ist Zukunft"Der Zugang zu Integrationskursen muss wieder geöffnet werden. Die Aussetzung des freiwilligen Zugangs ist in ihren integrations-, arbeitsmarkt- und finanzpolitischen Folgen nicht zu Ende gedacht. Sie widerspricht erklärten politischen Zielen, ignoriert empirisch belegte Erfolge und schwächt genau jene Strukturen, die Integration wirksam ermöglichen.
Weitere Informationen:
Das Positionspapier „Bedarfsorientierung statt Rückbau: Integrationskurse wirksam weiterentwickeln“ wurde in Beratung mit dem Deutschen Volkshochschul-Verband (DVV), der Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) sowie den WIR-Netzwerken – AG Aufenthaltsverfestigung entwickelt.
Hinter „Vielfalt ist Zukunft“ steht ein wirtschaftsnahes Unternehmensnetzwerk für Arbeits- und Fachkräftesicherung, das gemeinsam mit Expert*innen und Zivilgesellschaft zwischen Wirtschaft und Politik vermittelt. Aus unternehmerischer Perspektive verbindet es drei Dimensionen: die nachhaltige Bindung von Arbeitskräften mit Migrationsgeschichte an den deutschen Arbeitsmarkt, die Integrationsfähigkeit von Unternehmen als aktive Gestaltungsaufgabe und die Standortattraktivität Deutschlands als Einwanderungsland im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte.