Inhalt anspringen

Deutscher Volkshochschul-Verband

Music, Language, Soul – ein Empowerment-Rap-Projekt der vhs Köln

Junge Rapperinnen und Rapper vermitteln ihre Lebenswelt
über selbstgeschriebene Songs

Zwei Wochen, neun verschiedene Nationen und zahlreiche Sprachen von Spanisch und Arabisch über Swahili, Wolof und Englisch bis hin zu Französisch und Deutsch – und am Ende stand eine gemeinsame Performance. Bei dem Ferienprojekt der vhs Köln kreierten 16 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von elf bis 27 Jahren ihre eigenen Rap-Songs zu gesellschaftspolitischen und kulturellen Themen aus ihrer ganz persönlichen Sichtweise. Diese wurden abschließend im Rahmen einer gemeinsamen Aufführung in der Volkshochschule vor den Familien der jungen Teilnehmenden, einigen vhs-Mitarbeitenden und der Bürgermeisterin der Stadt Köln aufgeführt.

Das Projekt hatte zum Ziel, junge Menschen für verschiedene Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe zu sensibilisieren und aus vermeintlichen Schwächen Stärken zu machen. Besonders wichtig war es uns auch, ein Wir-Gefühl über kulturelle und über sprachliche Grenzen hinweg zu schaffen.

Homaira Mansury, Fachbereichsleiterin für Politische Bildung an der vhs Köln

Gesellschaftspolitische Themen über Rap-Musik verarbeiten

Die jungen Teilnehmenden – zehn von ihnen mit Migrationshintergrund – sollten sich mit ihrer Heimat bzw. ihren Heimaten und ihrem Leben, ihren Zielen und Wünschen auseinandersetzen: Was bewegt mich emotional ganz besonders? Wie fühle ich mich hier in Deutschland? Wie habe ich mich gefühlt, als ich noch an einem anderen Ort auf dieser Welt gelebt habe? Habe ich mir meine Heimat „ausgesucht“, fühle ich mich überhaupt „heimisch“? Wie sieht meine Lebenswelt aus? Woran habe ich Spaß und was bewegt meine Gedankenwelt, wenn ich an die Zukunft denke? Durch fünf selbst geschriebene Rap-Songs, die anschließend zu einer Story zusammengeführt wurden, haben die Jugendlichen Themen wie Zusammenhalt und Solidarität, Multikulturalität bzw. Multilingualität, den Klimawandel oder das soziale Klima an ihrer Schule verarbeitet. Zusammen mit einem pädagogischen Betreuer, einer Hip-Hop-Tanzlehrerin und der leitenden Rap-Künstlerin fanden die jungen Teilnehmenden über das Texteschreiben, Rappen und Einsingen sowie durch das Einstudieren einer gemeinsamen Choreographie neue Ausdrucksformen.

Eigene Sichtweisen überprüfen

Durch die Artikulation unterschiedlicher persönlicher Perspektiven sollten Zuhörende, auch aus der Gruppe, dazu gebracht werden, sich mit Gefühlen, Ideen und Vorstellungen Anderer auseinanderzusetzen und eigene Sichtweisen zu überprüfen. Die jungen Rapperinnen und Rapper wurden während der beiden Projektwochen zudem in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt und lernten, ihre Lebenswelt anderen Menschen zu vermitteln. Im Fokus standen die Entwicklung eines Wir-Gefühls, die Anerkennung der Herkunfts- und der deutschen Sprache, Empowerment und Kreativität, aber auch Kompromissfähigkeit.

„Gleich zu Beginn wurden Regeln für das Miteinander festgelegt: Respekt, Verbindlichkeit, Pünktlichkeit, Teamwork und Verantwortungsgefühl. Gut sichtbar wurden diese Regeln im Übungsraum aufgehängt. Durch das Besinnen auf den respektvollen Umgang miteinander war es möglich, kleinere Spannungen friedlich aufzulösen. Dazu gehörten auch Misserfolge und Unzufriedenheit. Das konnte aber durch die gute Zusammenarbeit und den starken Gruppenzusammenhalt aufgefangen werden“, so Homaira Mansury.

Auch die Mittagspausen wurden zu einem Erlebnis von Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Durch das Ausprobieren verschiedener kulinarischer Speisen sowie einen gemeinsamen Besuch des Museums der Weltkulturen in Köln konnten die Jugendlichen die Kulturräume der anderen Gruppenmitglieder besser kennenlernen. Besonders bemerkenswert war, dass neun unterschiedliche Herkunftsländer, fünf Glaubensrichtungen und sieben Sprachen nahezu unproblematisch in das gemeinsame kreative Ergebnis Eingang fanden und ein sehr wertschätzender Umgang miteinander stattfand.

Verschieden und doch verbunden

Der individuelle, vielfältige Hintergrund jeder einzelnen Person – sprachlich, kulturell, religiös und sozial – war somit ein integraler und wertgeschätzter Bestandteil des Projekts. Es nahmen vor Kurzem oder vor längerer Zeit geflohene, aber auch in Deutschland geborene und aufgewachsene Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund teil, die den Mehrwert der Biografienvielfalt erkannten und damit kreativ umgingen. Die Mehrsprachigkeit war kein Hindernis in der Kommunikation, sondern das verbindende Element.

Zentrale Ergebnisse waren der Austausch, der Zusammenhalt, die Wertschätzung und die Toleranz in Bezug auf die vielen kulturellen Einflüsse und unterschiedlichen Sprachen, das gemeinsame Lernen sowie das Eingehen auf individuelle Befindlichkeiten.

Homaira Mansury, Fachbereichsleiterin für Politische Bildung an der vhs Köln

Empowerment und Selbstwirksamkeit stärken

Das Projekt hat junge Menschen für Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe sensibilisiert und ihnen gezeigt, dass sie sich mit ihren jeweiligen Fähigkeiten gut in ein Gemeinschaftsprojekt einbringen können. Das Empowerment, das durch das gemeinsame Erarbeiten von Songs sowie einer Choreographie und auch im Zuge der Auftritte vor begeisterten Menschen entstanden ist, ging Hand in Hand mit der Stärkung der
eigenen Ausdrucksfähigkeit. Gleichzeitig übten die Jugendlichen einen respektvollen Umgang miteinander und Verantwortungsgefühl füreinander ein, was bei ihnen allen über das Projektende hinaus als wertvolle Bestätigung der persönlichen Kompetenzen und der eigenen Selbstwirksamkeit nachwirken wird.

Dieser Artikel wurde von Homaira Mansury und Stephanie Becker verfasst.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • vhs Köln
  • vhs Köln
  • vhs Köln
  • vhs Köln