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Deutscher Volkshochschul-Verband

Teilhabe für alle

Inklusion in den Fokus Politischer Jugendbildung rücken

von Johanna Adrian und Martin Winands (DVV)

Das Thema „Inklusion“ lag in den Jahren 2014 und 2015 im besonderen Fokus des Projekts Politische Jugendbildung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes e.V. (DVV). Ziel war und ist es, eine stärkere Öffnung der politischen Jugendbildung an Volkshochschulen für junge Menschen mit und ohne körperliche, psycho-soziale oder kognitive Einschränkungen zu erreichen. Schließlich kann das VHS-Prinzip „Teilhabe für alle“ nur gelingen, wenn immer wieder neue und innovative Projekte Partizipationsmöglichkeiten anbieten und Begegnungsanlässe schaffen.

Im Rahmen des Projekts Politische Jugendbildung fördert der DVV bundesweit Maßnahmen aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP) durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Zentralstelle im DVV stellt Materialien zur Verfügung, bietet Fortbildungen an und führt in Kooperation mit ausgewählten Volkshochschulen als Modellstandorte Sonderprojekte zu überjährigen Schwerpunktthemen durch.

Bewährte Konzepte mit inklusiven Gruppen erproben

Durch das Sonderprojekt „Inklusion“ sollten Konzepte der politischen Jugendbildung mit inklusiven Zielgruppen erprobt oder entwickelt werden. Darüber hinaus hatte das Vorhaben zum Ziel, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Bildungsbereich für die Arbeit mit inklusiven Zielgruppen zu qualifizieren und die Vernetzung von kommunalen Akteuren im Bereich der inklusiven Jugendbildung durch das Engagement von Volkshochschulen zu befördern.

Im ersten Jahr wurde zu diesem Zweck das Konzept „Demokratieführerschein“ für Gruppen junger Menschen mit und ohne Behinderung weiterentwickelt und an zwei Standorten durchgeführt. „Wie wünschst du dir eine inklusive Stadt?“ fragte die VHS Donauwörth die Teilnehmerinnen und Teilnehmer; und das Motto der VHS Gütersloh lautete „Wir wirken mit!“. Der „Demokratieführerschein“ ist ein Format, das geeignet ist, um junge Menschen für Kommunalpolitik zu interessieren und sie zu nachhaltiger Beteiligung zu motivieren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wählen dabei selbst ein Anliegen aus ihrem persönlichen Umfeld und versuchen dieses auf der kommunalen Ebene voranzubringen und gemeinsam eine Umsetzung zu erreichen. Entscheidend ist hierbei, was die jungen Menschen bewegt – sei es die Verschönerung des lokalen Jugendzentrums oder die Verbesserung barrierefreier Freizeitangebote.

Gemeinsam neue Wege gehen

Im Herbst 2014 fand in Kooperation mit der Diakonischen Akademie für Fort- und Weiterbildung in Berlin eine Fortbildung für hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie freiberufliche Dozentinnen und Dozenten von Volkshochschulen statt. Dort wurden Impulse gesetzt, aus denen konkrete inklusive Projekte der politischen Jugendbildung für das Folgejahr hervorgingen. Zwei Tage lang tauschten die Teilnehmenden sich über Erfahrungen aus, lernten bestehende inklusive Projekte kennen und entwickelten gemeinsam Vorhaben in unterschiedlichen Themenfeldern. Sie einigten sich auf vier Schwerpunktbereiche:

  • PARTIZIPATION VOR ORT
    Durch demokratiepädagogische Angebote soll vor allem auf der kommunalen Ebene die Mitbestimmung durch junge Menschen mit und ohne Behinderung gefördert und ermöglicht werden.
  • DIE STADT MIT ALLEN SINNEN ERKUNDEN
    Viele Orte in einer Stadt oder Region sind für Menschen mit Einschränkungen nicht zugänglich. Ziel ist es, dass Jugendliche und junge Erwachsene z. B. mittels selbstentwickelter Stadtrallyes oder in Medienworkshops erstellten Audio- und/oder Videoguides einen eigenen Beitrag zur Barrierefreiheit in ihrem Lebensumfeld leisten.
  • RECHTE STÄRKEN
    Im Rahmen von Peer-Projekten werden junge Menschen befähigt, Gleichaltrige zu informieren und/oder durch Aktionen zum Nach- und Umdenken anzuregen.
  • UMGANG MIT BEHINDERUNGEN GESTERN UND HEUTE
    Hierzu zählen Projekte der historisch-politischen Bildung, die gesellschaftliche Entwicklungen und Mechanismen der Ex- und Inklusion in den Blick nehmen. Die Verbrechen der sogenannten „Euthanasie“ im Nationalsozialismus gehören ebenso zu möglichen Aspekten der Auseinandersetzung wie ethische Fragen etwa  aus dem Bereich der heutigen Pränataldiagnostik.

Inklusion etablieren

Wie muss eine politische Bildung aussehen, die allen Menschen Teilhabe ermöglicht?

Praxisbeispiele inklusiver Bildungsvorhaben aus den Volkshochschulen

Aus diesen Themenbereichen wurden beispielhafte Bildungsvorhaben ausgewählt, die wir Ihnen in diesem Dossier vorstellen möchten. Zu den Modellstandorten zählen Volkshochschulen aus den Bundesländern Thüringen, Hessen, Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Die Bandbreite der Maßnahmen reichte von inklusiven Seminaren über Schulungen für Multiplikator* bis hin zu Aktionswochen sowie Fachveranstaltungen. Dabei entstanden unter anderem Audioguides, Projektideen und zahlreiche inklusive Begegnungen.

Diese bereichernden Erfahrungen stärken die Volkshochschulen in ihrer Leitlinie, Inklusion immer mehr als Selbstverständlichkeit von Lern- und Bildungsprozessen zu betrachten. Denn nur so kann gelebte Teilhabe für alle gesellschaftlichen Gruppen realisiert werden.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre!

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Bildnachweise

  • Getty Images / Rawpixel
  • DVV / Thomas Langens
  • DVV / Thomas Langens
  • Getty Images / simonkr

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