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Menschen auf dem Land wollen Transformation mitgestalten und Traditionen erhalten. Das erfordert Fähigkeiten und Kompetenzen. Die Volkshochschulen sorgen dafür, dass Menschen in ländliche Regionen erreichbarer Nähe lernen können, was sie in Beruf und Alltag brauchen. Volkshochschulen helfen, Dörfer und kleine Städte vital und attraktiv zu machen. Dadurch wirken sie auch der Entfremdung zwischen urbanen und ländlichen lokalen Gesellschaften und der politischen Instrumentalisierung von Stadt-Land-Gegensätzen durch Populist*innen entgegen.
Im #zukunftsort_vhs 2026 berichten wir über Volkshochschulen in kleinen Städten und ländlichen Gemeinden: wie sie Zukunftskompetenz vermitteln, regionale Kultur pflegen und Identität stärken, die ohne identitäre Abgrenzung auskommt.
#mitmachen ist gefragt: Was braucht die Wetterau?
Die vhs wetterau startet ein großes Projekt
Zum Wetteraukreis gehören 25 Städte und Gemeinden – jede mit ihrem ganz eigenen Charakter. Im Westen der Region liegt beispielsweise Friedberg, der Verwaltungssitz der Kreisvolkshochschule. Die Stadt prägt mit ihren Fachwerkhäusern, der Burg mit dem Adolfsturm sowie der Stadtkirche aus dem 13. Jahrhundert das Bild der Wetterau. Weiter nördlich liegt die Jugendstilstadt Bad Nauheim, die für Erholung und mehr als 150 Jahre Kurtradition steht. Im Zentrum der Wetterau bestimmen weite Felder und fruchtbarer Boden das Landschaftsbild – nicht umsonst trägt die Wetterau auch den Beinamen „Kornkammer Hessens“. Im Nordosten des Kreises lädt „die Vulkanstadt am See“ Gedern zur Erholung und zum Wandern ein. Die historische Büdinger Wasserburg aus roten Backsteinen im Südosten begrüßt Besucher*innen seit dem 12. Jahrhundert beim Eintritt in die schöne Altstadt und in der Gemeinde Glauburg kann man in der Keltenwelt archäologische Funde bestaunen.
#mitmachen erwünscht: Die Umfrage zur Bildungszukunft
In einem Flächenlandkreis wie der Wetterau sind die Herausforderungen für die Volkshochschule andere als in einer Stadt. „Wir müssen mit unserem Angebot in die Fläche, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen“, sagt vhs-Leiterin Ann-Karin Schild. Darum hat die vhs wetterau das Projekt „Bildungslandkarte Wetterau – Bedarfe ermitteln, Regionen stärken“ ins Leben gerufen. Es richtet sich an alle Bürger*innen des Kreises. In einer Region mit vielen sehr unterschiedlichen Gesichtern will die vhs herausfinden, welche Bildungsangebote gebraucht werden, welche Themen interessieren und welche Hindernisse Menschen möglicherweise von einer Teilnahme an vhs-Kursen abhalten. „Wir wollen ein gutes und zukunftsfähiges Angebot schaffen, das noch besser auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abgestimmt ist“, erklärt Ann-Karin Schild. Das Vorhaben steht damit ganz im Zeichen des aktuellen Semesterschwerpunkts #mitmachen, denn es lädt Wetterauerinnen und Wetterauer herzlich ein, sich aktiv an der Gestaltung der Zukunft ihrer vhs zu beteiligen.
Im Mittelpunkt des Projekts steht eine Online-Bedarfsumfrage, die noch bis zum 30. November 2026 läuft. Diese besteht aus 24 Fragen zu Angebotswünschen, bevorzugten Kursformaten oder möglichen Teilnahmebarrieren. Entwickelt wurde die Befragung mit wissenschaftlich fundierter Unterstützung durch Prof. Dr. Bernd Käpplinger, Professor für Weiterbildung an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Hunderte Menschen haben die Seite bereits besucht, viele haben die Umfrage abgeschlossen. Hervorzuheben sei zudem die hohe Qualität der Rückmeldungen, sagt Projektleiterin Sylka Schaefer. Zahlreiche konkrete Wünsche und Anregungen seien eingegangen. Beworben wird die Aktion über unterschiedliche Kanäle, um möglichst viele Menschen zu erreichen: auf der vhs-Homepage, im Newsletter, über Social Media, durch das aktuelle vhs-Magazin, per bunter Postkarte zum Mitnehmen sowie in Pressemitteilungen lokaler Zeitungen.
Doch die vhs wetterau möchte auch zu den Menschen vor Ort kommen: Deshalb wird sie im Rahmen ihrer vhs-Sommertour mit einem Informationsstand auf zehn Wochenmärkten in der Region sein. Hier wollen die vhs-Mitarbeiter*innen mit der Bevölkerung ins Gespräch kommen, Präsenz zeigen, auf das Projekt aufmerksam machen, das neue Herbstprogramm vorstellen und eine flexible Kursberatung unternehmen. „Wir möchten dort sein, wo die Menschen sind“, sagt Projektleiterin Sylka Schaefer, „niedrigschwellig, offen und im direkten Dialog mit der Bevölkerung“.
Bildung dort, wo die Menschen sind
Das gesamte Team der vhs wetterau steht mit tatkräftiger Unterstützung bei der Bewerbung der Online-Umfrage oder auf der vhs-Sommertour hinter dem Projekt. Alle wissen: Gerade in einem Flächenlandkreis ist Bildung vor Ort entscheidend. Dafür braucht es geeignete Räume, Unterstützung aus den Städten und Gemeinden sowie Angebote, die den Bildungsbedürfnissen gerecht werden. Schon heute zeigt das vhs-Programm große Vielfalt. Aber Ann-Karin Schild, Sylka Schaefer und ihre Kolleg*innen wollen noch mehr: nachfragen, zuhören und gemeinsam mit den Menschen im Kreis eine Bildungslandschaft schaffen, die zur Region passt. „Wir wollen nicht für die Menschen planen, sondern mit ihnen!“, schließt Ann-Karin Schild zuversichtlich ab.
Weitere Informationen:
Alle Praxisbeispiele: #zukunftsort_vhs: Lernen auf dem Land
Über die Storytelling-Kampagne
#zukunftsort_vhs: Lernen auf dem Land
91 Prozent der Fläche Deutschlands sind ländlich geprägt. Über die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt in ländlichen Regionen. Diese Regionen sind so unterschiedlich wie Wattenmeer und Hochgebirge, und die Zukunftsszenarien gehen weit auseinander: Wirtschaftlich starke ländliche Gegenden profitieren vom Zuzug aus den Großstädten, während andere Regionen bis 2045 noch einmal jeden fünften Einwohner verlieren dürften. Die einen haben somit auch weit bessere Chancen als die anderen, ihren Bedarf an Arbeits- und Fachkräften zu decken.
Die ländliche Gesellschaft verändert sich. So hat sich der Anteil der Bevölkerung ohne deutsche Staatsangehörigkeit in ländlichen Räumen seit 2011 mehr als verdoppelt. Manches bleibt aber auch gleich. Zum Beispiel, dass kleine Städte und Dörfer in hohem Maße auf das ehrenamtliche Engagement ihrer Bürger*innen angewiesen sind: bei der Freiwilligen Feuerwehr, in Vereinen und Kirchengemeinden, aber auch in der Kommunalpolitik.
Menschen in ländlichen Regionen wollen Transformation mitgestalten und Traditionen erhalten. Das erfordert Fähigkeiten und Kompetenzen. Bei der Organisation des Vereinslebens ist der sichere Umgang mit digitalen Tools ebenso gefragt wie am Arbeitsplatz. Ökologische und ökonomische Kenntnisse sind in der Landwirtschaft wichtig, aber auch beim Bau eines Eigenheims. Und noch dringender als in den Städten brauchen Zugewanderte in ländlichen Gegenden die Möglichkeit, schnell Deutsch zu lernen, um vor Ort Arbeit und Anschluss zu finden.
Die Volkshochschulen sorgen dafür, dass Menschen auf dem Land in erreichbarer Nähe lernen können, was sie in Beruf und Alltag brauchen. Vhs helfen, ländliche Regionen vital und attraktiv zu machen. Dadurch wirken sie auch der Entfremdung zwischen urbanen und ländlichen lokalen Gesellschaften und der politischen Instrumentalisierung von Stadt-Land-Gegensätzen durch Populist*innen entgegen. Im #zukunftsort_vhs 2026 berichten wir über Volkshochschulen in kleinen Städten und ländlichen Gemeinden: wie sie Zukunftskompetenz vermitteln, regionale Kultur pflegen und Identität stärken, die ohne identitäre Abgrenzung auskommt.
