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Deutscher Volkshochschul-Verband

Fake News, Hate Speech und was man dagegen tun kann

Beleidigungen, gezielte Falschmeldungen, Hetze und Hass sind auf Facebook & Co inzwischen alltäglich. Doch wie damit umgehen, auch wenn man nicht persönlich betroffen ist? Der Workshop „Together for a better internet“ der vhs Meppen wandte sich gezielt an junge Menschen aus der Jugendberufshilfe und Jugendwerkstätten.

von Sabine Giehle

Fake ist Alltag

Internet kann jede*r, oder nicht? An Erfahrung mit Social-Media-Plattformen, Online-Shops und Chatrooms mangelte es den Jugendlichen nicht. Sie konnten allerhand berichten aus ihrem Alltag im Netz: „Man nimmt angeblich an einem Gewinnspiel teil und am Ende hat man dann einen Handyvertrag für 70 Euro – solche oder ähnliche Erfahrungen hatten alle schon einmal gemacht“, berichtet Felicitas Sieweck von der Volkshochschule Meppen, die den Workshop leitete. Das war ein guter Anlass, um direkt ins Thema einzusteigen, diese Erfahrungen zu reflektieren und die Mechanismen im Internet zu hinterfragen: Warum gibt es denn einen Gutschein für einen Klick? Was passiert mit den Daten, die dadurch weitergereicht werden?

Felicitas Sieweck hatte dazu die Modulbox des DVV „Politische Medienbildung für Jugendliche. Auf Hate Speech und Fake News reagieren!“ mitgebracht, deren reichhaltige Methoden im Workshop zum Einsatz kamen.

Wir wollten den jungen Menschen in diesem Projekt nichts über das Internet beibringen, sondern sie für die Probleme sensibilisieren und ihnen Möglichkeiten zeigen, wie man sich verhalten kann.

Felicitas Sieweck, Projektverantwortliche seitens der vhs Meppen

Sensibilisieren, nicht belehren

Ziel des eintägigen Workshops, der anlässlich des Safer Internet Day stattfand, war es, die jungen Teilnehmer*innen im Umgang mit Hass-Posts, Cybermobbing und Falschmeldungen im Internet zu trainieren. „Wir wollten ihnen nichts über das Internet beibringen, sondern sie für die Probleme sensibilisieren und ihnen Möglichkeiten zeigen, wie man sich verhalten kann“, erklärt Felicitas Sieweck.

In einem ersten Schritt wurden die Themen Hate Speech und Fake News im Plenum diskutiert, die eigene Mediennutzung reflektiert und die Erfahrungen der Jugendlichen mit verschiedenen Formen von Hass, Hetze und Mobbing im Netz gesammelt. „Cybermobbing gehört zu ihrem Alltag“, erzählt Sieweck. „Nicht unbedingt als Betroffene, aber mitbekommen haben solche Aktionen fast alle schon mal.“

Fake News entlarven

Auch Fake News waren nichts Neues für die sieben jungen Teilnehmer*innen aus Meppen. „Wir haben uns zunächst Beispiele angeschaut, wie Bilder bearbeitet werden und woran man erkennt, dass ein Video manipuliert wurde“, erzählt Sieweck. Beim anschließenden Ratespiel zu diesem Thema zeigten die Jugendlichen ihr Können: „Sie waren ziemlich gut darin, zu erkennen, was echt und was gefakt ist und konnten ihre Meinung auch gut begründen“, berichtet Sieweck weiter.

Am späten Vormittag kam Patric Dujardin von der Initiative LOVE-Storm zum Workshop hinzu, um mit den Jugendlichen über Menschenfeindlichkeit, Verächtlichmachung und Beleidigungen im Internet zu sprechen. Zudem wollte er mit ihnen Formen auszuprobieren, wie mit Zivilcourage dagegen vorgegangen werden kann.

Auf einer Trainingsplattform wurde ein Gruppenchat simuliert. Jede*r bekam einen Laptop, der Trainer ließ den Gruppenchat am Smartboard vorne zusammenlaufen. Die Jugendlichen übernahmen dabei abwechselnd die Rollen von Hater*innen, Angegriffenen, Zuschauer*innen und Eingreifenden.

Üben, wie man eingreift

In der Situation, die sich ihnen stellte, hatte eine muslimische Autorin für ihre Lesung in einer Buchhandlung geworben. Schon regnete es Beleidigungen: „Solche Leute wie euch wollen wir hier nicht haben. Geh dahin zurück, wo du hergekommen bist“, hetzte rollengerecht der Angreifer. In der noch regellosen ersten Runde wurde es daraufhin recht lebhaft. Der Chat eskalierte und alle schimpften durcheinander. Spaß hatten die Jugendlichen dabei dennoch.

Viel Stoff also zum Aufarbeiten: Welche Strategien gibt es, um mit Beleidigungen umzugehen? Wie kann ich erreichen, dass die angegriffene Person sich besser fühlt? Wie kann ich die Angriffe eindämmen? Was ist das Ziel meiner Kommunikation?

Jugendliche einbeziehen

„Es hat dann noch zwei Runden gedauert. Aber in jeder Runde wurde es besser“, erinnert sich Felicitas Sieweck. „Man merkte, dass Diskussionsbedarf da war, dass die Probleme angekommen sind und auch reflektiert wurden. Wie damit dann letztendlich umgegangen wird, wissen wir natürlich nicht“, resümiert die Pädagogin.

„Die Gruppe war nicht ganz einfach. Die Jugendlichen kamen aus der Jugendberufshilfe und der Schulpflichterfüllung in Jugendwerkstätten. Sie hatten und haben erhöhten Förderbedarf. Dennoch haben wir gut zusammengearbeitet. Ich war überrascht, wie viel Input die jungen Leute gegeben haben.“

Hat sie einen Tipp für Nachahmer*innen? „Man sollte darauf hören, welche Themen die Jugendlichen ansprechen und sich darauf einlassen. Einfach ausprobieren, was gut läuft. Wichtig ist es, eine Mischung aus verschiedenen Methoden zu haben: Diskussionen, aber auch praktische Übungen wie Quiz oder Rollenspiele sollte man einbinden.“

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • Deutscher Volkshochschul-Verband e. V.
  • Felicitas Sieweck
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